Autor: Sabrina

4 month in Whitianga

Wieder ist es eine Weile her, dass ich meinen letzten Beitrag gepostet habe. Diesmal aber mit gutem Grund, ich habe an einem Video gearbeitet. Während meiner ganzen Zeit in Whitianga habe ich unzählige Videos gemacht, weil als ich überlegte einen Blogbeitrag darüber zu schreiben, habe ich schnell gemerkt, dass ich das mit Worten nicht richtig beschreiben kann. Es ist mir nicht möglich die richtigen Worte zu finden, die diese Zeit ausreichend beschreiben könnten. Und was eignet sich besser um Gefühle richtig rüberzubringen, als ein Video?

Und nun will ich gar nicht mehr schwafeln… Viel Spass!

Euro Moot 2018 – Scouting in New Zealand

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich hier etwas gepostet habe, und das tut mir meega leid! Es sind noch so einige Blogeinträge offen, aber in meiner Zeit in Whitianga, wollte ich einfach die Zeit, die ich dort hatte geniessen. Inzwischen ist meine Zeit dort zu Ende und ich bin jetzt in Wellington, doch wie das alles kam, wie es mir in Wellington gefällt und wie es jetzt weitergeht, das ist alles eine andere Geschichte.

Heute möchte ich euch über mein Oster-Wochenende berichten, das ich dieses Jahr auf eine ganz spezielle Weise verbringen durfte: in einem Pfadilager. Seit ich die Schweiz verlassen habe, hatte ich nicht viel mit der Pfadi zu tun, doch wie sehr ich das alles wirklich vermisst hatte, wurde mir erst letztes Wochenende bewusst, als ich das Pfadi-feeling wieder zurück hatte. Aber von Anfang an…

Letzten Sommer nahm ich an einem internationalen Pfadilager in Island teil. Das war ein absolut cooles Erlebnis und nebst vielen tollen Aktivitäten, habe ich auch viele Pfadis aus der ganzen Welt kennengelernt. Eine davon war Caitlyn aus Neuseeland. Als ich dann im November in Neuseeland ankam, hat sie mich kontaktiert und gefragt, ob ich nicht an einem neuseeländischen Pfadilager teilnehmen möchte, das über Ostern stattfinden würde. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was ich im April machen würde, so konnte ich leider nicht zusagen. Anfangs März kam ich dann ich Wellington an und mir war ziemlich schnell klar, dass ich übers Osterwochenende nichts vorhaben würde. So habe ich Caitlyn wieder kontaktiert – im Bewusstsein – dass es jetzt zwei Wochen vor dem Lager, wahrscheinlich viel zu spät sein würde, um sich noch fürs Moot anzumelden. Zu meiner Überraschung und Freude jedoch konnte Caitlyn noch alles für mich organisieren, so dass ich zwei Wochen später im Lager mit dabei war.

 

Das Lager fand auf der Südinsel statt in der Nähe von Christchurch. Über Facebook konnte ich Kontakt zu einigen Rovers aufnehmen, die von Wellington zum Lagerplatz fahren würde und so kam es, dass ich mich ihrer Crew (Gruppe von Rovern) anschliessen konnte. Am Sonntag vor dem Lager traf ich die Crew dann zum ersten Mal. Im Lager gab es jeden Abend eine Kostümparty, zu der man sich mit der Crew verkleidete. Das Motto des Lagers war „Euro Moot“ und demensprechend waren auch die Themen für die Kostümpartys gewählt. Am ersten Abend stand alles unter dem Motto „Oktoberfest“, am zweiten Abend hatten wir das Thema „Eurovision Song Contest“ und am dritten Abend „Night in Monaco“. Die Victoria Crew welcher ich mich anschliessen durfte, ist berühmt dafür die Mottos besonders kreativ zu interpretieren. Anstelle von Oktoberfest wählten wir deshalb ein anderes Fest im Oktober und so verkleideten wir uns passend zum Thema Halloween. Anstelle von Eurovision Song Contest, legten wir den Fokus auf „Euro Vision“ und organisierten übergrosse Brillen, auf deren Gläser wir ein Euro Zeichen malten. Und die Vorgaben für Night in Monaco waren klar – bitte kommt in formaler Kleidung – aber als zusätzliche Accessoires organisierten wir Masken und Pistolen, und räuberten das Casino aus.

 

Es war gut, die ganze Crew schon einmal kennenzulernen und auch meine zwei Roadtrip-Gefährten Adam und Steph im Voraus zu treffen, bevor wir uns am Donnerstag zusammen auf eine 8 Stündige Autofahrt begaben.

Am Donnerstagmorgen in aller Frühe, nahmen wir drei gemeinsam die Fähre von Wellington nach Picton. Auf der dreistündigen Überfahrt konnten wir uns alle schon ein bisschen besser kennenlernen und ich war erleichtert, dass wir uns alle gut verstanden.

In Picton bestiegen wir dann das Auto, das dank all unserem Gepäck ziemlich voll war und machten uns auf den Weg nach Süden. Wir folgten der Strasse nach Süden und kamen auf dem Weg nach Kaikoura an einigen eindrücklichen Erdrutschen vorbei, die noch von einem Erdbeben im November 2016 übrig waren. Zwar ist die Strasse inzwischen wieder befahrbar, aber man sieht noch immer genau, wie viel Zerstörung das alles angerichtet hatte.

In Kaikoura machten wir dann einen ersten Stopp, einige Selfies mit „Friend“ dem Maskottchen der Regal Crew, ein Glacé und eine Runde Riesen-Vier-Gewinnt später, ging es weiter. Unterwegs hatten wir selbstgemachte Brownies und viel gute Musik und in Rolleston machten wir auf einem Parkplatz von McDonalds halt, um unser selbstgemachtes Abendessen zu essen.

 

Gegen 8 Uhr kamen wir dann im Mania-O-Roto Scout Park in Ashburton an, wo wir zuerst einmal eincheckten und unsere Zelte bezogen. Danach machten wir uns auf den Weg zur Pfadibar, wo ich jede Menge neuseeländischer und australischer Pfadis kennenlernte.

Am Freitagmorgen in aller Frühe trafen wir uns alle zur Eröffnungszeremonie. Ca. 150 Rover nahmen am Moot teil, mehrheitlich kamen sie aus Neuseeland, aber es waren auch ca. dreissig Australier, ein Engländer und eine Person aus der Schweiz dabei. Nach der Eröffnungsfeier und dem Gruppenfoto ging es dann direkt los mit dem Cross-Country. An diesem drei Kilometer langen Lauf nahm jeder teil und am Ende gab es für den Sieger und die Siegerin eine Trophy (Wanderpreis) zu gewinnen. Dazu muss man wissen, dass sich das ganze Wochenende alles mehr oder weniger um das Gewinnen von Trophys drehte. Die Rovers melden sich in Crews (Gruppen) ans Moot an und in diesen Crews gab es diverse Trophys zu gewinnen.

 

Nach dem Cross-Country Lauf fuhren wir in verschiedenen Gruppen zu einem von mehreren Service Projekten. Ein grosser Teil des neuseeländischen Rover-Alltags ist nämlich das Absolvieren von Community Projekten. Die Idee dahinter ist, dass die Pfadi nicht nur zum Spass da ist, sondern dass sie auch etwas Gutes für die Bevölkerung tut. Ganz abgesehen davon hatten wir beim Service Projekt auch ziemlich viel Spass! In meiner Gruppe haben wir zum Beispiel, einen neuen Gartenweg verlegt, Holz gehackt, einen Zaun aufgestellt und die Fenster und Fassade eines Hauses geputzt. Anschliessend sind wir zum Lagerplatz zurückgefahren und haben dem Team, das dort Hand anlegte beim Verlegen von Platten in einer Kapelle geholfen.

 

Am zweiten Tag gingen wir alle auf einen Tagesausflug. Meine Gruppe hatte die „Tour de France“ gewählt und so fuhren wir nach Akaroa, einer ehemals französischen Siedlung, wo wir eine Kajaktour unternahmen. Anschliessend an ein typisch neuseeländisches Mittagessen – es gab Fish und Chips – spielten wir eine Partie Minigolf, bevor wir am Ende des Tages eine Alpakafarm besuchten. Alpakas sind übrigens nicht nur zum Anschauen super süss, aber auch extrem flauschig und knuddelig zum Anfassen.

 

Schon bald brach der dritte und letzte Tag im Moot an. Zwar waren wir alle schon ziemlich müde, was uns aber nicht davon abhielt beim Tug-o War und der Shooting Trophy noch einmal alles zu geben. Tug-o War ist ein Riesen-Seilziehen, bei dem wir jeweils in vierer Teams gegeneinander angetreten sind. Was mir dabei besonders imponiert hat, ist die Motivation, die alle in die Sache gesteckt haben. Jedes einzelne Team wurde lautstark angefeuert und bejubelt und jeder hat sein absolut Bestes gegeben.

Nach dem Tug-o War kam dann die Shooting Trophy. Bei diesem Postenlauf ging es nicht nur ums Gewinnen, sondern es wurden auch Punkte für Teamfähigkeit, Gruppenzusammenhalt und Strategie vergeben. Dieser Postenlauf dauerte den ganzen restlichen Tag. An einem Posten mussten wir zum Beispiel eine gewisse Strecke überbrücken indem wir die zur Verfügung gestellten Stühle benutzten. Alle Teammitglieder mussten immer auf den Stühlen sein und alle Stühle mussten immer von mindestens einem Teammitglied berührt werden. An einem anderen Posten spielten wir Hockey auf einer Plastikplane mit Wasser und Seife, was nicht nur extrem rutschig, aber auch extrem lustig war. An einem dritten Posten mussten wir uns an den Beinen zusammenbinden und einen Parcours absolvieren, gestartet haben wir mit zwei zusammengebundenen Personen, nach der Runde kam eine dritte, dann eine vierte usw. dazu, bis alle Teammitglieder zusammengebunden waren. Dieser Postenlauf hat mir viel Spass gemacht und wir hatten ein super Team!

Viel zu schnell kam mit dem Montag auch der Tag des Abschieds. Mit der Schlusszeremonie und der diesjährigen Vergabe der Trophys ging das Moot 2018 zu Ende. Das Wochenende war ein voller Erfolg und auch wenn ich zwischendurch mal mit meinem Englisch an die Grenzen gestossen bin – wenn über zehn Personen in einer Gruppe durcheinanderreden, wird’s schwierig – konnte ich viele neue Freundschaften schliessen und hatte eine super Zeit!

Ich habe gelernt, dass die neuseeländische Pfadi in einigen Punkten genau gleich ist, wie die schweizer Pfadi, in vielen Punkten aber auch ganz verschieden. Für mich war es zum Beispiel extrem eindrücklich, wie selbstverständlich die Rovers hier einander halfen. Gut zu sehen war das am Beispiel mit der Kapelle. Dieses Serviceprojekt konnten wir am Freitag nicht beenden, und so entschlossen sich drei Rover am Sonntag nach der Shooting-Trophy noch einmal an der Kapelle zu arbeiten. Es dauerte jedoch keine 5 Minuten und es fanden sich etwa 30 freiwillige Rover, die mithalfen die Kapelle fertigzustellen, ganz ohne dazu aufgefordert gewesen zu sein. Und auch während der Shooting Trophy war Gruppenzusammenhalt gross geschrieben. In meiner Gruppe hatten wir jemanden, der fast taub war und jemanden der nicht rennen konnte. Wir beschlossen daher einstimmig nur zu laufen, und nicht zu rennen und jeder gab sein Bestes unser Hörschwaches Teammitglied in die Diskussionen mit einzubeziehen.

Ich war wirklich sehr beeindruckt von dem grossartigen Teamgeist, den die neuseeländischen und australischen Pfadis an den Tag legten.

 

Ich bin jetzt schon wieder seit einer Woche zu Hause und in meinem Alltag, aber dank dem Moot konnte ich neue Freunde in und um Wellington herum gewinnen und die Victoria Crew hat mich eingeladen, mich ihnen für die Zeit die ich in Wellington verbringe anzuschliessen. Das Moot ist also nicht das letzte Pfadierlebnis gewesen, das ich hier haben werde und ich freue mich auf die nächsten Abenteuer die ich mit ihnen erleben.

 

Roadtrip von Whitianga nach Wellington

Da ich zwischen Dezember und April einiges zu bloggen verpasst habe, habe ich beschlossen die Sache nun von hinten aufzurollen. Deshalb möchte ich euch heute über meinen kleinen Roadtrip berichten, den ich zwischen meinen längeren Aufenthalten in Whitianga und Wellington unternommen habe.

Am 4. März 2018 war offiziell mein allerletzter Tag in Whitianga. Der Abschied viel mir unendlich schwer und nachdem ich mich von meiner Gastfamilie und all meinen Freunden verabschiedet hatte, machten wir uns auf den Weg. Wir, das sind in diesem Fall Javier aus Spanien und ich. Da wir beide Whitianga am selben Wochenende verlassen wollten (mussten) und auch Javier in Richtung Wellington wollte, ergab es sich, dass wir zusammen auf einen einwöchigen Roadtrip quer durch die Nordinsel gingen. Javi war ebenfalls Schüler am COLC und obwohl wir uns nicht soo gut kannten, stürzten wir uns gemeinsam in Hector (das ist der Name meines Autos – doch wie Hector zu seinem Namen kam, ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden) ins Abenteuer.

 

Am ersten Tag (Sonntag) hatten wir nur eine relativ kurze Strecke von Whitianga nach Mount Maunganui vor uns. Auf der ca. zweieinhalbstündigen Fahrt unterhielten wir uns sehr gut. In Mt. Maunganui angekommen, suchten wir als erstes ein Hostel für die Nacht. Danach erkundeten wir zu Fuss die Stadt, wir waren uns dabei beide einig, dass die Stadt an sich nicht so viel hergab und der „Hausstrand“ übermässig touristig war. Nach dem Abendessen in einem thailändischen Restaurant, machten wir uns dann aber doch noch auf den Weg auf den Mt. Maunganui, denn wie der Ortsname schon verriet, war der an die Stadt angrenzende Berg das eigentliche Ziel jedes Besuchers. Bei dieser Gelegenheit machte ich dann auch die Erfahrung, das Javi sehr fit ist, denn um den Mt. Maunganui zu erklimmen, muss man sich ca. 50 Minuten lang unzählige Treppenstufen hinaufquälen und Javi rannte beinahe den Berg hinauf… Oben angekommen, wurden wir dann jedoch mit einem fantastischen Ausblick und wenig später von einem noch fantastischeren Sonnenuntergang belohnt.

Am nächsten Morgen standen wir schon in aller Frühe auf denn das Hostel war nicht allzu gut, oder respektive ein wenig zu laut, und viele der „Bewohner“ waren Langzeit-Gäste, die in der Stadt arbeiteten. Wir verliessen Mt. Maunganui und fuhren weiter nach Te Puke. Te Puke ist vor allem für seine Kiwifruchtplantagen bekannt und Javi wollte sehen, ob es dort allenfalls einen Job für ihn geben könnte. Nachdem wir den Jobmarkt und die Stadt selbst ausgekundschaftet hatten, machten wir uns auf den Weg nach Waitomo. Unterwegs machten wir kurz an den Mclaren Falls Halt, was sich als ziemliche Zeitverschwendung herausstellte. Die Wasserfälle sehen auf den Bildern im Internet zwar ganz nett aus, aber in Wirklichkeit ist es mehr die Idee von einem Wasserfall. So ging es auch ganz schnell weiter. In Waitomo machten wir uns im Information Center über die berühmten Waitomo Caves schlau und buchten eine Führung um die berühmten Glühwürmchen darin zu sehen. Die Tour war –  naja – ganz nett. Für mich war das Preis-Leistungsverhältnis bei dieser Führung definitiv nicht erfüllt, zumal wir im Bereich wo man die Glühwürmchen sehen kann, nicht mehr als 15 Minuten verbrachten und die restlichen 45 Minuten in den Höhlen mit den anderen Touristen Schlange standen. Die Glühwürmchen an sich waren mega cool, und erinnern an einen Sternenhimmel, aber in Anbetracht dessen, dass man mit etwas Glück, bei einer Nachtwanderung durch den neuseeländischen Busch, auch Glühwürmchen sehen kann, ganz ohne etwas zu bezahlen, ist ca. 50 Dollar einfach zu viel.

Nach der Führung unternahmen wir einen kurzen Spaziergang über die Hügel von Waitomo, bevor wir hungrig wie wir waren, in einem nahen Restaurant eine Portion Spaghetti vertilgten. Das coole am Reisen mit Javi war, dass er extrem spontan war. So haben wir die ganze Woche über nichts im Voraus gebucht und immer von Tag zu Tag geschaut, wonach uns der Sinn gerade stand. So beschlossen wir zum Beispiel am frühen Nachmittag, dass wir gegen Abend zum Tongariro National Park fahren würden und am nächsten Tag den berühmten Tongariro Crossing machen würden. Bevor wir aber losfuhren, wollten wir noch die Umgebung von Waitomo etwas genauer erkunden. So entdeckten wir zum Beispiel die Marokopo Falls und Mangapohue Natural Bridge, welche beide ziemlich eindrücklich waren.

Anschliessend fuhren wir los in Richtung Tongariro National Park und weil es inzwischen doch schon ziemlich spät war, suchte ich im Auto schnell nach einigen Hostels und sicherte uns einen Platz für die Nacht. In einem nahen Supermarkt versorgten wir uns noch mit Proviant, der vorwiegend aus Baumnüssen, Toast, Tomaten und Tunfisch bestand ein, denn am nächsten Morgen würde es früh losgehen.

 

Um 6 Uhr klingelte dann auch schon wieder der Wecker und nachdem wir unsere Sandwichs zubereitet und gefrühstückt hatten, buchten wir um 6.55 Uhr den Shuttle der um 7.00 Uhr startete und uns zum Startpunkt des Tongariro Crossings brachte. Es war noch früh genug, dass wir den Sonnenaufgang sehen konnten, und doch waren, als wir den Startpunkt erreichten schon jede Menge anderer Busse und Autos dort. Der zweite eher negative Punkt war, dass der Gipfel des Mount Tongariro in den Wolken steckte. Dies ist zwar laut Reiseführer nichts ungewöhnliches, da sich die Wolken oft um den Gipfel sammeln, dennoch waren wir ein bisschen enttäuscht. Natürlich machten wir uns trotzdem auf den Weg. Wieder zeigte sich, dass Javier ziemlich fit war, zudem war er auch ziemlich ehrgeizig. Am Startpunkt wies uns ein Schild den Weg, das besagte, dass man für den Tongariro Crossing zwischen 6.5 und 8 Stunden einrechnen sollte. Javi jedoch wollte, wie es schien, einen neuen Rekord hinlegen, denn er marschierte extrem schnell. In der ersten Stunde war noch alles mehr oder weniger flach, danach jedoch kam der grosse Aufstieg. Treppen, Treppen und noch mehr Treppen, zwar ist es wahrscheinlich besser, dass man Stufen hat um den Berg hochzulaufen, auf der anderen Seite verfluchte ich nach einer Weile die vielen Stufen und ich musste Javi schon bald um eine Pause bitten – die er mir gnädigerweise auch gönnte. 😛 Nach ca. eineinhalb Stunden hatten wir den Gipfel dann aber doch erreicht und schon ein bisschen stolz auf uns genossen wir nicht nur den Ausblick aber auch unser Picknick. Der Abstieg auf der anderen Seite war dann schon schwerer. Es war extrem viel Geröll und man rutschte mehr den Berg hinunter, als dass man wanderte. Bald darauf wurde es aber einfacher und der Rest der Wanderung war ziemlich einfach, auch wenn es sich gegen Ende hin ziemlich zog.
Als wir die knapp 20 km in gut 6 Stunden erfolgreich hinter uns gebracht hatten, waren wir beide gleichermassen müde aber glücklich. Wir sattelten Hector und ritten nach Taupo – oder so. In Taupo brauchten wir zuerst einmal eine heisse Dusche und eine kurze Pause, bevor wir uns auf Erkundungstour durch Taupo machten. Nach einem frühen Abendessen ging es zurück ins Hostel und ins Bett.

 

Am nächsten Morgen erwartete uns ein wolkiges und recht verregnetes Taupo. Wir versuchten uns nicht unterkriegen zu lassen und besichtigten die Huka Falls, die Craters of the Moon und einige kostenlose, heisse Quellen, in denen man baden konnte. Dies war speziell lustig, denn wir wanderten durch einen Park, eingehüllt in unsere Regenjacken, denn es regnete in Strömen und dann, als wir zum Fluss hinunterkamen, sahen wir auf einmal ca. 20 Leute in einer kleinen Einbuchtung des Flusses hocken und sich im warmen Wasser suhlen. Ich war nicht so überzeugt, dass ich mich wirklich zu ihnen gesellen wollte, aber Javi war kalt und so fanden wir uns 2 Minuten später im erstaunlich heissen Wasser wieder.
Nachdem wir uns genug entspannt hatten, beschlossen wir aber eine Pause im Hostel einzulegen, denn es regnete immer noch und es schien nicht so bald besser zu werden. Wir trauten uns erst am Abend wieder heraus, als wir einen Spaziergang am See entlang unternahmen. Zwar regnete es noch immer, aber dieses Mal liessen wir uns nicht unterkriegen. Nach einem Bier in einem Pub machten wir uns ein einfaches Abendessen im Hostel, bestehend aus – wie könnte es auch anders sein – Toast, Tomaten und Tunfisch.

 

An unserem zweiten vollen Tag in Taupo unternahmen wir einen weiteren extrem spontanen Trip. Wir hatten schon am Vortag überlegt auf dem See eine Kayaktour zu unternehmen. Diese Idee mussten wir dann aber wegen dem schlechten Wetter wieder verwerfen. Um 9.00 Uhr beim Frühstück, checkten wir das Wetter und sahen, dass es am Nachmittag nach einigen Stunden Sonnenschein wieder zu regnen beginnen sollte. Eine Kayaktour würde in 20 Minuten starten und das war, wie es aussah unsere einzige Chance. So packten wir in Windeseile unsere Sachen, checkten aus dem Hostel aus und fanden uns rekordverdächtige 15 Minuten später beim Veranstalter der Kayaktouren ein. Weitere 15 Minuten später waren wir mit Kayaks, Sicherheitswesten und Paddles ausgestattet und ready um uns auf den See zu wagen. Mit zwei weiteren Paaren und unserem Guide Adam paddelten wir drauf los. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hatten Javi und ich schon bald den Dreh aus und paddelten im Sonnenschein. 40 Minuten später erreichten wir dann das Ziel der Tour ein in Stein gemeisseltes Maori-Carving Bild. Zwar ist das Bild nur knapp 40 Jahre alt und stammt von einem Künstler aus der Umgebung, es war aber trotzdem ein Ausflug wert. Auf dem Rückweg war das Wasser dann aber nicht mehr so ruhig wie zuvor und kurz darauf begann es dann doch noch zu regnen. Wir legten eine kurze Pause ein und genossen einen heissen Tee und einige Kekse und als sich der Regen etwas gelegt hatte, paddelten wir den letzten Rest zurück.
Etwas später trafen wir uns mit Marie. Marie, ist aus Belgien und sie war in Whitianga für drei Wochen meine Gastschwester. Es war super sie wiederzusehen, da sie schon seit einer Weile am Reisen war und wir sie eine Zeit lang nicht gesehen hatten. Wir verbrachten gute zwei Stunden in einem Café und erst als es uns wirklich zu kalt wurde verabschiedeten wir uns. Für Javier und mich hiess es – bye Taupo – denn wir hatten beschlossen an diesem Abend noch nach Napier zu fahren. Die Fahrt durch die Hügel wurde alles andere als angenehm, da wir direkt in den Nebel und Regen hineinfuhren, aber zum Glück stoppte der Regen, als wir in Napier ankamen. Von Napier hört man immer sehr viel Gutes, es soll eine hübsche, kleine Stadt sein. Leider war unser Eindruck von der Stadt nicht so gut.
Wie immer erkundeten wir den Ort zu Fuss, aber obwohl es erst ungefähr 19.00 Uhr war und noch dazu ein Donnerstagabend, war die Stadt absolut menschenleer. Wir sahen niemanden und wir hörten niemanden und fühlten uns ziemlich allein. So assen wir nur Abendessen im Hostel – Toast, Tomaten und Tunfisch (es war inzwischen ein Running Gag zwischen uns) – und gingen schon bald zu Bett.

 

Am nächsten Morgen war das Wetter nicht viel besser und nachdem wir im Information Center nachgefragt hatten, was man bei schlechtem Wetter in Napier machen konnten – nicht viel – beschlossen wir weiterzuziehen. Kurz nach Napier, in der Nähe von Hastings machten wir Halt auf dem Te Mata Peak, von diesem Aussichtspunkt hätte man vermutlich eine wirklich gute Aussicht, in unserem Fall war es aber vor allem unglaublich windig und diesig, so dass wir nicht allzu viel sahen. Weiter ging es nach Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuakitanatahu (ja, das ist wirklich ein Name und ja, ich habe das selber getippt). Taumatawhaka…. ist nicht wirklich ein Ort, es ist mehr ein Hügel, der diesen Namen trägt. Was wir allerdings nicht wussten, war, dass sich an dem Ort nichts weiter befand als ein Namenschild. Ein beeindruckend grosses und langes Namenschild zwar, aber im Endeffekt nur ein Namenschild. Kein Café, keine Häuser, kein gar nichts. Javi und ich fuhren ca. 1 Stunde lang über Gravel Roads und enge Strassen, um schliesslich vor einem Namensschild zu stehen. Wir fühlten uns schon ein bisschen vera****. Doch wir konnten uns das Lachen nicht verkneifen, als wir sahen, dass noch ein anderer Tourist an diesen verlassenen Ort gefunden hatten.
Unsere Unterhaltung lief ungefähr wie folgt ab:
Wir: Hi
Sie: Hi
Wir: Sollen wir ein Foto von euch machen?
Sie: Ja bitte

Sie: Sollen wir eines von euch machen?
Wir: Ja bitte!

Beide: Okay, bye!
Und wir beide fuhren in verschiedene Richtungen davon. Ich fühlte mich ein bisschen schlecht, weil ich Javi davon überzeugt hatte, dass wir unbedingt an diesen Ort fahren mussten und dort am Ende nicht mal ein Dorf in der Nähe vorfanden… Aber hey, das kann passieren, wenn man so spontan reist und sich nicht wirklich informiert. Aber für alle, die vorhaben dorthin zu gehen, hier ist das Foto von dem Schild. Jetzt müsst ihr nicht mehr zwei Stunden Autofahrt investieren, denn ihr habt nun alles gesehen, das es dort zu sehen gibt.

Nachdem wir wieder auf der Hauptstrasse waren, brauchten wir erst mal eine Pause. Die Mittagszeit war lange vorüber, aber dennoch assen wir unser mitgebrachtes Essen – für einmal nicht Tunfisch auf Toast, sondern Pasta – und nach einem Tee zum Aufwärmen, beratschlagten wir, was wir als nächstes machen wollten. Wir beschlossen jetzt nach Wellington durchzufahren und die letzte Nacht dort zu verbringen. Gesagt getan und 4 Stunden später erreichten wir Wellington, wo wir uns ein Hostel suchten. Nach einer kurzen Verschnaufpause und Abendessen machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Wir wanderten herum bis unsere Füsse müde waren und genehmigten uns dann noch ein Bier im Irish Pub.

 

Ich glaube am Samstagmorgen waren wir beide etwas traurig, dass unser gemeinsamer Roadtrip schon vorüber war, denn obwohl ich in Kürze zu meiner neuen Gastfamilie ziehen würde, verbrachten wir die restlichen Stunden gemeinsam. Ich begleitete Javi als er seinen neuseeländischen Führerschein beantragte und er half mir ein Gastgeschenk für die Familie auszuwählen. Anschliessend erkundeten wir gemeinsam die Stadt, nahmen die Zahnradbahn die zum Botanischen Garten führte und tranken noch einen letzten Tee/Kaffee, bevor ich mich beim Hostel von Javier verabschiedete.

 

Die Woche war wirklich super cool und ich habe den Roadtrip in vollen Zügen genossen. Das Reisen mit Javi hat wirklich Spass gemacht und obwohl wir zwischendurch manchmal Verständigungsprobleme hatten, haben wir uns gut ergänzt und konnten viel zusammen lachen. Während es für mich zu meiner Gastfamilie ging, reiste Javi nach Te Puke zurück um dort die Kiwi Saison auszunutzen. Sein ursprünglicher Plan war, nach einigen Wochen zurück nach Wellington zu kommen und sich hier einen Job zu suchen, doch zur Zeit plant er nach der Kiwi Saison auf die Südinsel weiterzureisen und sich einen Job im Skigebiet zu suchen. Ich bin mir jedoch sicher, dass wir uns früher oder später wiedersehen werden. 🙂

My last day in Whitianga

Nach genau 68 Schultagen, 36 Activitys, 14 Open Nights, 3 Test-Montagen und 2 Loud Shirt Days war es am 2. März 2018 dann soweit: Mein letzter Schultag am Coromandel Outdoor Language Centre brach an. Nicht, dass das etwa ein Tag zum Feiern gewesen wäre, nein, ganz im Gegenteil. Schon ein Monat vor meinem letzten Schultag hatte ich jedesmal, wenn mich jemand fragte, wie viele Wochen ich noch am COLC hatte, ein ganz komisches Gefühl im Bauch. Dieses verstärkte sich in Laufe der Zeit mehr und mehr, und zwei Wochen später, konnte ich es nicht mehr leugnen, ich war traurig. Jedesmal, wenn ich an den Abschied dachte, oder mich meine Freunde darauf ansprachen, hätte ich heulen können – und das ist, wie jeder bestätigen kann, der mich kennt – eine Seltenheit. 🙂

Naja, auf jeden Fall konnte ich die Zeit natürlich nicht aufhalten – so sehr ich mir das auch gewünscht habe – und am Dienstag meiner letzten Woche startete ich dann, meine Rede zu schreiben. Am COLC ist es eine Tradition, dass am letzten Tag, jeder Schüler, nachdem er sein Zertifikat erhalten hat, eine Rede hält. Ich finde das eine sehr schöne Tradition, denn vor allem in einer so kleinen Schule wie dem COLC, wo jeder jeden kennt, ist es toll noch einmal offiziell danke sagen zu können. Die Rede zu schreiben war gar nicht so einfach, das Schwierigste war meine Gefühle wirklich in Worte zu fassen. Einfach „Danke“ zu sagen, schien nicht genug, aber es gab nicht wirklich Worte um zu beschreiben, wie ich mich fühlte. Im Übrigen kann ich das auch jetzt noch nicht so richtig beschreiben und wenn man es nicht selbst erlebt hat, ist es vermutlich schwierig nachzuvollziehen, aber um es einfach zu sagen: der Abschied war sau schwer! 🙂

Der Freitag war jedoch nicht nur ein trauriger Tag, es war nämlich auch gleichzeitig mit meinem letzten Tag am COLC auch ein „Loud Shirt Day“ angesagt. Am Morgen verkleidete ich mich also passend mit meinem Loud Shirt Day Outfit und ging zur Schule. Loud Shirt Days sind immer besonders lustige Tage, da sich jeder vom Schulleiter bis zum 70 Jahre alten japanischen Mitschüler in ein farbenprächtiges, crazy und oft bad-taste mässiges Outfit schmeissen und dann so im Unterricht sitzen. Um 11 Uhr gibts dann die Parade, bei der eine externe Jury die besten Kostüme auswählt und schlussendlich einen Gewinner verkünden. Am Loud Shirt Day sieht man am COLC einfach alles, Männer in Kleidern und Highheels, farbenfrohe Perücken und verrückte Brillen, Hüte und andere Accessoires.

 

Nach der Parade hätten wir eigenlich nochmals Unterricht gehabt, aber irgendwie schafften wir das dann nicht mehr. Alle waren am Fotos machen und einfach die Zeit zusammen geniessen und so war auch niemand böse, dass die Pause mal etwas länger dauerte.

 

Um 11.30 Uhr dann kam die von mir lang gefürchtete Zeit der Speeches, nicht, weil ich Angst hatte die Rede zu halten, aber einfach weil ich nicht gehen wollte. Da ich die Person war, die am längsten da war, würde meine Rede ganz zum Schluss kommen. Als es dann soweit war, freute ich mich riesig, dass Kim meine Abschlussansprache hielt. Die Rede selber ging dann eigentlich auch ganz gut, ich riss mich gut zusammen und war entgegen meiner Befürchtung überhaupt nicht nervös. Nach der Speech gings mir naja, gelinde gesagt, nicht so toll. Trotzdem freute ich mich mit all meinen Freunden Mittagessen zu gehen und im Anschluss gingen wir noch zu Kim und Robyns Haus um ein paar Kauribäume einzupflanzen und umzutopfen.

 

Alles in allem war es ein guter letzter Tag, der, wenn auch nicht ganz tränenfrei, doch grösstenteils toll war und mir immer gut in Erinnerung bleiben wird.

Thank you COLC-family! You will be missed!

Am Freitag war jedoch nur mein letzter Schultag, noch nicht der absolut letzte Tag in Whitianga. Das war nämlich der Sonntag, ich hatte es am Vorabend, vor dem Pub-Besuch, tatsächlich geschafft meinen Rucksack fertig zu packen und so blieb mir am Sonntagmorgen nicht mehr viel übrig, als mich von meiner Gastfamilie und meinem Zimmer im Centennial Drive zu verabschieden. Joan and Ron haben mir aber immer wieder versichert, dass ich jederzeit willkommen sei um wieder mit ihnen zu Wohnen, von dem her werde ich sie sicher nochmals besuchen. 🙂

 

Anschliessend an diesen Abschied, musste ich mich von all meinen Freunden verabschieden. Wir hatten einen kleinen Brunch in einem Restaurant organisiert und es freute mich riesig, dass so viele kamen!

Anschliessend ans Essen, wollte niemand so recht gehen und der entgültige Abschied war noch einmal so richtig schwer! Das Problem ist, dass man bei vielen seiner neuen Freunde nicht weiss, ob und wann man sie je wiedersehen wird. Und auch wenn ich sicher bin, dass ich irgendwann auf Thailand reisen werde, wird das nicht gerade morgen oder übermorgen sein und obwohl wir uns alle erst vergleichsweise kurz kennen, sind die Freundschaften schon unglaublich tief und auf eine Art ganz anders als mit Freunden von zuhause, die man schon seit so langem kennt.

Zum Glück musste ich Whitianga dann nicht ganz alleine verlassen, für mich stand ja eine Woche Roadtrip mit Javi an, und das war wohl meine Rettung, sonst hätte ich es vielleicht nicht über mich gebracht abzureisen.

 

A journey to Middle Earth

«Do you wish me a good morning, or mean that it is a good morning whether I want it or not; or that you feel good this morning; or that it is a morning to be good on?»

Seit ich die Herr der Ringe Filme das erste Mal gesehen habe und herausfand, dass das Meiste davon in Neuseeland gedreht wurde, war für mich klar: Ich muss da hin! Die unglaublichen Landschaften musste ich einfach mit eigenen Augen sehen. Das habe ich inzwischen geschafft, ich bin tatsächlich in Neuseeland und es ist fast noch ein bisschen schöner, als ich es mir vorgestellt habe. Trotzdem fehlte dem kleinen Hobbit in mir noch das gewisse Etwas – deshalb war ich auch sofort Feuer und Flamme, als ich von dem Schultrip nach Matamata und somit nach Hobbingen hörte.

Mit dem Schulbus ging es früh am Sonntagmorgen los ins zweieinhalb Stunden entfernte Matamata. Schon wenn man in den Ort hineinfährt wird einem klar, dass man nun in Mittelerde angekommen ist. Das Informationscenter ist wie eine Hobbithöhle gestaltet, diverse künstlerische Malereien zeigen unmissverständlich, wo man sich gerade befindet und ein Schild «Welcome to Hobbiton» begrüsst jeden Besucher in Mittelerde.

Nach dem Lunch in Matamata fuhren wir noch etwa 15 Minuten weiter zu der Farm ausserhalb der Stadt, wo sich das «wahre» Hobbingen befindet. Auf einer kleinen Busfahrt vom Parkplatz zur Farm wurden wir und die anderen Tourmitglieder herzlich von unserem Tourguide begrüsst und schon einmal mit ein paar Hintergrundinfos gefüttert. Wir alle wollten aber nur eines, endlich das Auenland betreten, denn nach der 5 Minütigen Fahrt durch grüne Hügel und an friedlich grasenden Schafen vorbei, fühlten wir uns dem Auenland schon ganz nah.

Und dann waren wir endlich da:

 

Alles in Allem war es sehr cool den Drehort der Hobbit- und Herr der Ringe Filme zu sehen. Wie zu erwarten war es extrem touristig und ich fand es ein bisschen schade, dass wir immer in der Gruppe bleiben mussten. Man konnte nicht selber herumlaufen, wie und wo man wollte und die ganze Führung war an einen strikten Zeitplan gebunden. Auch wenn es auf den Fotos nicht so aussieht waren überall extrem viele Leute unterwegs. Dennoch fühlte sich mein innerer Hobbit sofort wie Zuhause und wollte am liebsten gar nicht mehr weg. Nach der Führung durch das Set bekamen wir im Grünen Drachen ein waschechtes Hobbit-Bier zu trinken und konnten uns auch noch ganz im Hobbit-Style einkleiden. Und so ging ein ereignisreicher Tag zu Ende.

«The road goes ever on and on, down from the door where it began, now far ahead the road has gone, and I must follow, if I can.»

1 Monat Neuseeland – Ein Update

Es scheint absolut unfassbar, dass ich genau heute schon seit einem ganzen Monat in Neuseeland bin! Vor einem Monat fand ich mich mit einem gewaltigen Schlafmangel und einem noch gewaltigeren Rucksack in Auckland am Flughafen wieder und konnte es kaum erwarten ins Hostel zu kommen und endlich schlafen zu können – von Aufregung endlich da zu sein, war in dem Moment nicht so viel zu spüren. Den Tag verbrachte ich halb schlafend in irgendwelchen Cafés, besuchte das Auckland Museum und begab mich möglichst bald ins Hostel und ins Bett.

Am nächsten Morgen sah die Welt dann schon ganz anders aus. Ich freute mich endlich nach Whitianga weiterzureisen, denn als Einstieg in einem fremden Land ist Auckland nur eines: Eine beängstigend grosse, ungemütlich überbevölkerte Stadt.

 

In Whitianga angekommen startete auch sofort die Schule und ich fühlte mich vom ersten Moment an sehr wohl. Trotzdem, jetzt rückblickend war der Anfang vermutlich ziemlich holprig. Inzwischen kann ich sagen, ich habe mich richtig gut eingelebt und möchte keinen Moment hier missen. Den Kurs habe ich wie geplant von Afternoon-Class auf Activity-Class geändert und das war definitiv die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

Dreimal in der Woche kann ich jetzt an diversen Aktivitäten teilnehmen. In der ersten Woche war ich zum Beispiel mit Kim (Schul-Eigentümer) in seiner Nursery, was im Grunde nichts anderes als eine Pflanzenaufzucht ist, in der er seltene oder nützliche Pflanzen aufzieht, die er danach dem Department of Conservation (DoC) zur Verfügung stellt, die die Pflanzen wiederum zur Aufforstung von Wäldern und Küsten nutzen.

Am Mittwoch ging ich mit einer Gruppe von Schülern auf eine Aktivität, die sich „River Exploring“ nennt, mit Neoprenanzug ausgestattet machten wir uns auf in den Bush (Neuseeländischer Wald), wo wir einen Fluss bewanderten – ja genau, eine Wanderung IM Fluss. Dies war sehr cool, denn von der Strasse aus nie denken, was sich im Bush alles verbirgt und der Fluss hatte mehrere tiefe Wasserteiche, in denen man schwimmen und von Felsen springen konnte. Zu Beginn waren wir alle etwas skeptisch, ob wir uns wirklich ins Wasser wagen sollten, denn trotz den immer wärmeren Temperaturen und dem Neoprenanzug, war es doch immer noch ziemlich kalt. Doch mit etwas Überwindung und ein bisschen tatkräftiger Unterstützung von uns, plantschten schlussendlich alle im Wasser herum.

Nach dem Süsswasser am Mittwoch traute ich mich am Donnerstag das erste Mal ins Meer. Und zwar aufs Surfboard. Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel Wasser geschluckt! 😀 Mein Fazit von zwei Stunden Surflesson: Es sieht zwar einfach aus, aber das ist es nicht, ganz im Gegenteil! Ich bin schon glücklich, dass ich zweimal eine Welle auf den Knien halbwegs sicher bewältigen konnte, von Aufstehen auf dem Surfboard war aber nie die Rede. Mal sehen wie das weitergeht, nächste Woche steht wieder eine Surfing Activity an und ich bin noch nicht sicher, ob ich mich wirklich freuen soll.

Nach dem Surftraining am Donnerstag war wieder Open Night. Und was als ruhiges Barbeque angedacht war, artete schlussendlich ziemlich aus. Ich sag nur soviel dazu: Singende Schüler, tanzende Lehrer und jede Menge peinlicher Videos. Crazy ging es dann auch am Freitag weiter. Es war nämlich „Loud Shirt Day“. Diese Tradition existiert schon seit vielen Jahren an der Schule, Schüler, Lehrer und Ehrengäste kommen alle in den verrücktesten, buntesten und lautesten Kleidern und Kostümen, die wir finden konnten. In einem fairen Wettbewerb wird dann das „lauteste Kostüm“ ausgesucht und geehrt. Mein persönliches Highlight von diesem Tag –  ein 69-jähriger Japaner, der sich von mir die Haare blau färben liess.

 

Doch das eigentliche Highlight dieser Woche hatte nichts mit der Schule zu tun – seit dem 26. November bin ich nämlich stolze Eigentümerin eines graublauen Nissan Wingroad. Per Zufall hatte am Wochenende zuvor dieses Auto im Internet entdeckt und bin es sogleich mit meinem Hostvater, ein pensionierter Automechaniker, probefahren gegangen. Nachdem er es für tauglich erklärt hatte und nach kurzen Preisverhandlungen habe ich kurzentschlossen zugeschlagen und es seitdem keine Minute bereut! Die Rücksitze kann ich herunterklappen und habe bequem Platz zum schlafen darin und kann bei Bedarf trotzdem mit bis zu 5 Personen herumreisen.

Am Wochenende habe ich dann auch sogleich die erste Tour unternommen. Mein Weg führte mich über Coromandel bis zum nördlichsten Punkt der Coromandel Peninsula. Für alle, die denken das wäre eine gute Tour und man könne das ja mal machen: Ja kann man, aber nein ist nicht nötig. Nach 3 Stunden Fahrt und unzähligen Schotterstrassen bin ich dann umgekehrt, die Coromandel Peninsula ist sehr schön, aber ausser Bush findet man da oben im Norden nicht viel. 😉 Trotzdem war es die Reise wert, denn immerhin habe ich mich jetzt völlig ans Fahren auf der falschen Strassenseite gewöhnt.

 

Die Woche darauf war ich mit einigen Freunden am Hot Water Beach. An diesem Strand kommt eine heisse Wasserader sehr nahe an die Oberfläche und man kann sich seinen eigenen Heisswasserpool buddeln. Dabei muss man nur auf zwei Dinge achten. Erstens, dass man sich nicht verbrennt, denn es ist wirklich sehr heiss und zweitens, dass man nicht von einem der vielen anderen Buddler zerquetscht wird. Einen so touristischen Ort habe ich hier in Neuseeland noch nicht gesehen. Es war ein Erlebnis, aber ich denke nicht, dass ich das so bald nochmals mache. 😉

Der Rest der Woche verlief ziemlich normal. Zwischen Aktivitäten, Schule und Pub blieb nicht viel Zeit übrig, wenn man auch noch ein bisschen schlafen wollte. Wir hatten eine Culture Open Night am Donnerstag, was sehr interessant war, da alle Schüler ein traditionelles Gericht mitgebracht haben. Zwar war die Mehrheit Schweizerisch, aber ich habe trotzdem auch einiges über die asiatische, spanische und thailändische Küche gelernt. Ich wusste schon, dass die thailändische Küche sehr scharf isst – fast zu scharf für meinen Geschmack – was ich aber neu dazu lernte, ist, dass thailändische Gerichte nichts im Vergleich zu denen aus Südkorea sind. Mir brennen jetzt noch die Lippen, wenn ich an das unglaublich scharfe Hühnchen von Jun denke, wozu er nur sagte: „It’s NOT that spicy!“ – Der hat gut reden!

Am Sonntag unternahmen wir einen Ausflug nach Hobbiton – dem Filmset der Herr der Ringe- und Hobbit-Filme. Für mich als kleiner Mittelerde-Fan, war das natürlich ein riesiges Erlebnis. Zwar muss ich sagen, dass der Tourführer mir jetzt nicht viel Neues über das Set erzählen konnte (Ups..^^) aber es war trotzdem cool, das alles einmal Live zu sehen. Dazu dann aber in einem separaten Blogbeitrag mehr. 🙂

Dieses Wochenende fuhr ich mit meinen Gasteltern nach Hamilton, mein Gastvater wurde nämlich 80 Jahre alt und ich war eingeladen mit ihm und seiner Familie zu feiern. Wir gingen in einem Restaurant nett zu Abendessen und trafen uns am Morgen nochmals zum Brunch. Die Feier war ganz nett, aber so richtig warm geworden bin ich mit seiner Familie nicht. Ausser den Kindern (8 und 10 Jahre alt) wusste nämlich in meinem Gefühl niemand so recht, was man reden könnte und so war das ganze sehr reserviert. Da bevorzuge ich die lustigen und oft alles andere als ruhigen Feste und Treffen meiner Familie zu Hause um ein vielfaches! 😀

Und jetzt sitze ich hier und schreibe diesen Blog und kann immer noch nicht so ganz glauben, dass ich schon einen ganzen Monat hier bin. Zwar vermisse ich meine Familie und Freunde zuhause schon sehr, und es ist extremst komisch, dass hier – mitten im Sommer – Weihnachtslieder am Radio laufen, aber richtiges Heimweh ist das nicht und ich würde auch nichts an der Lage ändern wollen, selbst wenn ich könnte. Viele Schüler hier kommen für 4 bis 6 Wochen an die Schule, und jetzt vor Weihnachten verlassen uns sehr viele und wir haben kaum Neuzugänge. Das ist auf der einen Seite sehr schade, weil die erst neugewonnenen Freunde nun schon weiterziehen und sich in ihre Reiseabenteuer begeben, aber auf der anderen Seite würde ich Whitianga und das COLC im Moment für nichts in der Welt verlassen wollen. Ich würde mich jetzt noch nicht bereit fühlen, hier wegzugehen, wo ich mich doch gerade erst eingelebt habe. Noch zwei Wochen, dann sind Weihnachtsferien und auch ich kann mich auf meinen ersten kleinen Roadtrip begeben. 🙂

In diesem Sinne wünsche ich allen eine schöne Adventszeit!

 

Die erste Woche – Von Lehrern, Karaoke und anderen Begebenheiten

Schon seit einer Woche bin ich nun in Whitianga (welches übrigens mehr als Fitianga ausgesprochen wird) und es gefällt mir hier wirklich sehr gut.

Am Montag war der erste Schultag und meine Hostmum setzte mich pünktlich um 8.40 bei der Schule ab. Dort wurde ich sofort freundlich von Kim dem Eigentümer empfangen. Er stellte mir den Rest des Teams vor und danach wurden die zwei anderen neuen Schüler und ich von allen herzlich mit einem Maori-Lied in die COLC Familie aufgenommen. Nach einem kurzen Einstufungstest machten wir mit Kim eine Rundfahrt durch die Stadt und die Umgebung. Kim zeigte uns dabei nicht nur die besten Pubs und Cafés sondern erzählte auch allerlei über die Geschichte von Whitianga und die Bemühungen der Schule sich für die Natur und die Kiwis in der Umgebung einzusetzen.

Am Nachmittag startete dann der Unterricht und so nahm alles seinen Lauf. Ich wurde in die Advanced Class eingestuft, was sehr gut ist. Vor Weihnachten werde ich dann aber vermutlich die Klasse wechseln müssen, da dann zu wenige Schüler in der Advanced Class wären und diese dann nicht mehr stattfindet.

Unterricht haben wir am Morgen von 9.00 – 10.40 und nach der Pause von 11.00 bis 12.00 Uhr Unterricht. In der Mittagspause haben wir jeweils ein Schul-Taxi, wo jemand von der Schule, meistens Tom durch die Schule rennt, „Lunch Taxi“ schreit und die, die wollen dann in einem der Busse der Schule ins Zentrum fährt um Lunch zu kaufen oder dort zu essen. Wir haben aber auch in der Schule die Möglichkeit Dinge aufzuwärmen und unseren Lunch selber mitzubringen. Der Nachmittagsunterricht beginnt um 13.15 Uhr und dauert bis 14.45.

Zurzeit habe ich Morning und Afternoon Lessons, aber ich werde schon bald in die Activity Class wechseln, wo wir Dienstag-, Mittwoch- und Donnerstagnachmittag verschiedene Aktivitäten machen können.

Ich habe schon sehr schnell festgestellt, dass das Coromandel Outdoor Language Centre nicht wie jede andere Schule ist. Zum einen sind da einmal die Lehrer, ich habe im Moment 3 verschiedene Lehrpersonen und alle sind auf ihre Art einzigartig. Was aber alle gemeinsam haben, ist ihre schier endlose Motivation und die gute Laune, mit der sie jeden Tag starten. Zudem sind es nicht einfach nur Lehrer, sie sind auch voll im Freizeitprogramm integriert und es ist nicht selten, dass man sie am Abend ebenfalls im Pub auf einen Drink antrifft. Auf der anderen Seite ist aber auch der Lern-Stil am COLC völlig anders als an anderen Schulen. Wenn schönes Wetter ist, gehen wir nach draussen und halten die Lektion im Freien ab, oder machen draussen einen kleinen Postenlauf um das Voci zu repetieren, das wir am Vortag gelernt haben. Alles in allem herrscht am COLC eine total lockere und familiäre Atmosphäre.

Am Mittwoch war Quiz Night im lokalen Pub. In Gruppen von bis zu acht Spielern, kann man an dem Quiz mitmachen und am Schluss sogar einen kleinen Geldpreis gewinnen. Für uns Schüler sind die Fragen, die oft Neuseeland bezogen sind zwar etwas schwierig zu beantworten, doch die Lehrer waren diese Woche das zweite Mal in Folge auf dem ersten Platz.

Jeden Donnerstag ist Open Night. Das ist immer eine Art kleine Party, die normalerweise in der Schule stattfindet und die jeweils unter einem besonderen Motto steht. So könnte zum Beispiel eine Swiss Food Night, oder eine Halloween Night auf dem Programm stehen. Diese Woche gingen wir in ein indisches Restaurant. Zwei Schüler verliessen uns nach 18 Wochen diesen Freitag und zum Abschluss gingen wir Essen. Anschliessend gingen wir alle ins gegenüberliegende Pub, wo wie jede Woche die Karaoke Night stattfand. Das war auch mein Untergang, denn wie die anderen Schüler mir liebenswürdigerweise mitteilten, ist es am COLC Tradition, dass die neuen Schüler Karaoke sangen. Da ich nicht auf die Alternative zurückgreifen und allen eine Runde ausgeben wollte, ergab ich mich schliesslich in mein Schicksal und sang Lemon Tree, wobei mich die anderen alle lautstark unterstützten.

Der Freitagnachmittag ist immer für alle frei. Vor dem Mittagessen am Freitag verabschiedeten wir die fünf Schüler, die uns diese Woche verliessen. Dazu hält immer ein Lehrer eine Rede und dann hat man als Schüler selber das Wort. Als Abschluss singen wir dann den Goodbye-Song. Nach dem Mittagessen hatte ich einen Termin auf der Bank um ein Konto zu eröffnen.

Zum Abendessen traf ich mich mit ein paar Freunden zum Pizza-Essen in „Lukes Kitchen“ einem bekannten Restaurant in Kuaotunu ca. 20 Minuten von Whitianga entfernt. Nachdem wir anschliessend noch den Sonnenuntergang am Strand genossen hatten, ging es – wie könnte es anders sein – zurück nach Whitianga ins Pub.

Am Anfang der Woche hat mir jeder gesagt: „Die erste Woche ist die Schwerste! Wenn du die schaffst, dann schaffst du alles.“ Auch wenn man von meiner Karaokeeinlage einmal absieht, war diese Woche überhaupt nicht „schlimm“ im Gegenteil. Ich fühle mich wohl hier und freue mich auf die Wochen die kommen.