Monat: November 2017

Die erste Woche – Von Lehrern, Karaoke und anderen Begebenheiten

Schon seit einer Woche bin ich nun in Whitianga (welches übrigens mehr als Fitianga ausgesprochen wird) und es gefällt mir hier wirklich sehr gut.

Am Montag war der erste Schultag und meine Hostmum setzte mich pünktlich um 8.40 bei der Schule ab. Dort wurde ich sofort freundlich von Kim dem Eigentümer empfangen. Er stellte mir den Rest des Teams vor und danach wurden die zwei anderen neuen Schüler und ich von allen herzlich mit einem Maori-Lied in die COLC Familie aufgenommen. Nach einem kurzen Einstufungstest machten wir mit Kim eine Rundfahrt durch die Stadt und die Umgebung. Kim zeigte uns dabei nicht nur die besten Pubs und Cafés sondern erzählte auch allerlei über die Geschichte von Whitianga und die Bemühungen der Schule sich für die Natur und die Kiwis in der Umgebung einzusetzen.

Am Nachmittag startete dann der Unterricht und so nahm alles seinen Lauf. Ich wurde in die Advanced Class eingestuft, was sehr gut ist. Vor Weihnachten werde ich dann aber vermutlich die Klasse wechseln müssen, da dann zu wenige Schüler in der Advanced Class wären und diese dann nicht mehr stattfindet.

Unterricht haben wir am Morgen von 9.00 – 10.40 und nach der Pause von 11.00 bis 12.00 Uhr Unterricht. In der Mittagspause haben wir jeweils ein Schul-Taxi, wo jemand von der Schule, meistens Tom durch die Schule rennt, „Lunch Taxi“ schreit und die, die wollen dann in einem der Busse der Schule ins Zentrum fährt um Lunch zu kaufen oder dort zu essen. Wir haben aber auch in der Schule die Möglichkeit Dinge aufzuwärmen und unseren Lunch selber mitzubringen. Der Nachmittagsunterricht beginnt um 13.15 Uhr und dauert bis 14.45.

Zurzeit habe ich Morning und Afternoon Lessons, aber ich werde schon bald in die Activity Class wechseln, wo wir Dienstag-, Mittwoch- und Donnerstagnachmittag verschiedene Aktivitäten machen können.

Ich habe schon sehr schnell festgestellt, dass das Coromandel Outdoor Language Centre nicht wie jede andere Schule ist. Zum einen sind da einmal die Lehrer, ich habe im Moment 3 verschiedene Lehrpersonen und alle sind auf ihre Art einzigartig. Was aber alle gemeinsam haben, ist ihre schier endlose Motivation und die gute Laune, mit der sie jeden Tag starten. Zudem sind es nicht einfach nur Lehrer, sie sind auch voll im Freizeitprogramm integriert und es ist nicht selten, dass man sie am Abend ebenfalls im Pub auf einen Drink antrifft. Auf der anderen Seite ist aber auch der Lern-Stil am COLC völlig anders als an anderen Schulen. Wenn schönes Wetter ist, gehen wir nach draussen und halten die Lektion im Freien ab, oder machen draussen einen kleinen Postenlauf um das Voci zu repetieren, das wir am Vortag gelernt haben. Alles in allem herrscht am COLC eine total lockere und familiäre Atmosphäre.

Am Mittwoch war Quiz Night im lokalen Pub. In Gruppen von bis zu acht Spielern, kann man an dem Quiz mitmachen und am Schluss sogar einen kleinen Geldpreis gewinnen. Für uns Schüler sind die Fragen, die oft Neuseeland bezogen sind zwar etwas schwierig zu beantworten, doch die Lehrer waren diese Woche das zweite Mal in Folge auf dem ersten Platz.

Jeden Donnerstag ist Open Night. Das ist immer eine Art kleine Party, die normalerweise in der Schule stattfindet und die jeweils unter einem besonderen Motto steht. So könnte zum Beispiel eine Swiss Food Night, oder eine Halloween Night auf dem Programm stehen. Diese Woche gingen wir in ein indisches Restaurant. Zwei Schüler verliessen uns nach 18 Wochen diesen Freitag und zum Abschluss gingen wir Essen. Anschliessend gingen wir alle ins gegenüberliegende Pub, wo wie jede Woche die Karaoke Night stattfand. Das war auch mein Untergang, denn wie die anderen Schüler mir liebenswürdigerweise mitteilten, ist es am COLC Tradition, dass die neuen Schüler Karaoke sangen. Da ich nicht auf die Alternative zurückgreifen und allen eine Runde ausgeben wollte, ergab ich mich schliesslich in mein Schicksal und sang Lemon Tree, wobei mich die anderen alle lautstark unterstützten.

Der Freitagnachmittag ist immer für alle frei. Vor dem Mittagessen am Freitag verabschiedeten wir die fünf Schüler, die uns diese Woche verliessen. Dazu hält immer ein Lehrer eine Rede und dann hat man als Schüler selber das Wort. Als Abschluss singen wir dann den Goodbye-Song. Nach dem Mittagessen hatte ich einen Termin auf der Bank um ein Konto zu eröffnen.

Zum Abendessen traf ich mich mit ein paar Freunden zum Pizza-Essen in „Lukes Kitchen“ einem bekannten Restaurant in Kuaotunu ca. 20 Minuten von Whitianga entfernt. Nachdem wir anschliessend noch den Sonnenuntergang am Strand genossen hatten, ging es – wie könnte es anders sein – zurück nach Whitianga ins Pub.

Am Anfang der Woche hat mir jeder gesagt: „Die erste Woche ist die Schwerste! Wenn du die schaffst, dann schaffst du alles.“ Auch wenn man von meiner Karaokeeinlage einmal absieht, war diese Woche überhaupt nicht „schlimm“ im Gegenteil. Ich fühle mich wohl hier und freue mich auf die Wochen die kommen.

Gedanken aus dem Flugzeug

Ich sitze auf meinem Platz im Flugzeug direkt am Fenster und schaue hinaus in den strahlend blauen Himmel. Eine flauschig, weisse Wolkendecke trennt uns vom Rest der Welt und alles scheint friedlich. Ich habe eine ganze Sitzreihe für mich alleine und nutze die Freiheit und breite mich auf die Sitze aus. Meine Gedanken driften ab.

Es ist unglaublich, ich weiss ich wiederhole mich, aber es ist unglaublich wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich weiss nicht genau, wie oft ich in den letzten paar Wochen gefragt wurde, ob ich schon nervös sei. Aber irgendwie war ich bis zum Tag der Abreise nie wirklich nervös. Zwischendurch hatte ich vielleicht mal einen kurzen „Nervositätsschub“, aber im Grossen und Ganzen, war ich extrem entspannt. Ganz einfach deshalb, weil ich es nie wirklich realisiert habe, dass es tatsächlich losgeht. Zu lange schon habe ich auf diese Reise gewartet und mich darauf gefreut, so dass es sich so kurz vor der Abreise nicht viel anders angefühlt hat als in den Monaten zuvor.

Heute Morgen bin ich dann extra früh aufgestanden, um noch meinen Papi zu verabschieden, da er leider Schule geben musste und nicht mit an den Flughafen kommen konnte. Danach machte ich mich gemütlich bereit, sodass wir um ca. 9.00 Uhr zum Flughafen aufbrechen konnten. Begleitet wurde ich von Mami und meinem Bruder und als Überraschungsgast bekam ich auch noch von meinem Gotti Besuch, was mich sehr gefreut hat!
Laut einem Hinweis von Swiss, wurde mir empfohlen, dass ich wegen meinem Flug in die USA früh genug am Flughafen sein sollte. So waren wir wie empfohlen 3 Stunden vor Abflug dort. Wie erwartet dauerte das Einchecken keine 20 Minuten und danach hatten wir genug Zeit um noch gemütlich etwas trinken zu gehen und uns zu verabschieden.

Der Abschied war schon etwas schwer, aber so richtig klargeworden ist es mir erst hier im Flugzeug. Ich werde über ein Jahr weg sein, meine Familie und meine Freunde alle ein ganzes Jahr nicht sehen. Wieso genau mache ich das eigentlich? Wenn ich mir nicht so sicher gewesen wäre, dass ich das wirklich machen will und es nicht schon seit so langer Zeit geplant hätte, wäre ich in diesem Moment vermutlich wieder aus dem Flugzeug gestiegen. Was ich natürlich nicht getan habe. Offensichtlich.
Jetzt bin ich tatsächlich auf dem Weg nach Neuseeland. Und während das Flugzeug irgendwo über Kanada Richtung San Francisco fliegt, steigt die Vorfreude auf das Bevorstehende mehr und mehr.

How to pack your life in a backpack?

Wie packt man sein Leben in einen einzigen Rucksack? Was soll man einpacken, wenn man für ein ganzes Jahr ins Ausland geht? Wie bringt man alles was einem zu Hause lieb und teuer ist in einen Koffer?

Ganz einfach – gar nicht.

Wenn man für so lange Zeit weggeht und einem nur begrenzter Platz zur Verfügung steht, ist es unmöglich alles einzupacken, was man gerne möchte. Man muss sich also entscheiden.

Auch ich stand vor der schwierigen Entscheidung und möchte euch hier etwas über meine Gedanken und meine schlussendlichen Entscheidungen erzählen.

Beim „Ich packe in meinen Koffer“-Spiel habe ich zuerst alle Dinge eingepackt, die teuer sind und die ich im Ausland sicher nicht neu kaufen wollte. Zum Beispiel Wanderschuhe, Regenjacke / -hose, Softshelljacke, Schlafsack, etc. Dazu kamen natürlich die ganzen elektronischen Geräte, wie Kamera mit Objektiven, Stativ, GoPro, Laptop und eBook-Reader. Nachdem all diese Sachen ihren Platz gefunden haben, kamen dann all die „unwichtigeren“ Dinge, oder besser gesagt die ersetzbaren. In diese Kategorie zähle ich vor allem Kleider.

Da in Neuseeland wenn ich ankomme bald Sommer ist, konnte ich auf dicke Pullover grösstenteils verzichten, es ist mir trotzdem mehr als schwer gefallen mich auf ein Minimum zu beschränken. Ich denke, wenn man auf einen Roadtrip geht, würde man etwas anders Packen als  ich es getan habe. Ich bin lange Zeit am gleichen Ort und habe einen festen Wohnsitz, weshalb ich nicht gespart habe und den Rucksack schlussendlich doch gefüllt habe. (Keine Ahnung, wie ich in einem Jahr alles wieder nach Hause nehmen soll, aber das sehe ich dann, wenn es soweit ist.

Falls euch die vollständige Packliste interessiert, könnt ihr Sie hier anschauen:

Packliste