Kategorie: New Zealand

Winter in Wellington

Es ist nicht umsonst, dass Wellington auch „Windy Wellington“ genannt wird. Ich wollte es am Anfang nicht wirklich wahrhaben, aber es ist wirklich so, in Wellington windet es praktisch ununterbrochen, was das sonst so milde Klima in Neuseeland zu Zeiten recht frisch erscheinen lässt.

Nach unserem Wochenende in New Plymouth machte sich der Winter doch schon ein bisschen bemerkbar. Es regnete vermehrt und man brauchte eine warme Jacke am Morgen. Doch wir liessen uns davon nicht die Laune verderben.

Direkt am Montag nach unserem New Plymouth Wochenende hatten wir schulfrei, da es „the Queens Birthday“ war. Wir nutzten die Zeit um in einem schicken Restaurant beim High Tea unsere britische Ader auszuleben. Im höchsten Grad nobel schlürften wir mit abgespreiztem kleinen Finger Tee aus goldgerandeten Tassen und genossen die vielen kleinen Leckereien, die uns serviert wurden.

 

Am Wochenende nach unserem New Plymouth Trip, hatten wir schon wieder grosse Pläne. Sandra und Lena waren beide noch nie auf der Coromandel Peninsula und als sie mir von ihren Plänen für ein Wochenende dahin zu fliegen, konnte ich einfach nicht wiederstehen. Noch immer hatte ich einige Freunde in Whitianga und es würde in etwa meine letzte Möglichkeit sein sie alle zu sehen. Deshalb buchte ich am Dienstag absolut spontan einen Flug nach Auckland. Ich konnte es kaum abwarten wieder zurückzugehen. Die erste Enttäuschung kam dann am Donnerstag. Ich textete mit Fa und sie erzählte mir freudig, dass sie mit der ganzen Schule für 2 Tage nach Rotorua fahren würden, somit fiel dieser Teil des Plans schonmal ins Wasser. Trotzdem freute ich mich auf den Trip. Ein bisschen wehmütig war ich allerdings, als ich im Flugzeug sass und aus dem Fenster sah, erspähte ich in der Ferne einen einzelnen schneebedeckten Berg. Wolkenfrei und wunderschön. Mt. Taranaki blinzelte mir zu, während mein Flugzeug Kurs auf Auckland nahm und ich dachte nur: „Warum konnten wir den New Plymouth Trip nicht eine Woche später machen…?“ Naja, das gute Wetter sollte uns natürlich auch in Whitianga zu Gute kommen.

Nachdem ich in Auckland gelandet war und das Mietauto abgeholt hatte, fuhr ich in die Stadt, um Julien zum Abendessen zu treffen. Um Geld zu sparen, hatte ich nämlich einen früheren Flug als die anderen gebucht uns hatte deshalb etwas übrige Zeit. Um 21.00 Uhr holte ich die zwei dann vom Flughafen ab und wir fuhren die zweieinhalb Stunden bis nach Whitianga.

Am nächsten Tag machen wir uns dann bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zu den bekanntesten Sights. Dies beinhaltete zum Einen Cathedral Cove und Hot Water Beach. Hier zeigte sich nun der absolute Vorteil, vom Reisen im Winter: Obwohl es ein wunderschönes Wetter war, waren kaum Leute an der Cove oder am Beach – und das ist im Sommer undenkbar. So nutzten wir die Gelegenheit ein paar touristenfreie Fotos zu schiessen. Es war ein mega warmer Tag und nach einem Glacé in Kuoatunu genossen wir die Zeit an Otama Beach bevor wir uns nach dem Sonnenuntergang eine Pizza bei Lukes Kitchen genehmigten. Wir beendeten den Abend im Pub von Whitianga wo wir uns in Billiard versuchten. Und als ob das Wochenende nicht noch besser hätte werden können, textete Fa mir, dass sie soeben aus Rotorua zurückgekommen seien. Wir verabredeten uns fürs Frühstück am nächsten Morgen und das machte mein Wochenende perfekt.

Am Sonntagmorgen, traf ich mich früh mit Fa zum Frühstück, während Sandra und Lena sich einige Stunden lang alleine beschäftigten. Es war wunderbar wenigstens ein bisschen Zeit mit Fa zu verbringen und wir planen schon jetzt unsere Reunion in Thailand.

Anschliessend fuhren Sandra, Lena und ich nach Coromandel. Coromandel Town ist ein extrem kleiner Ort, sodass wir uns nach dem Mittagessen direkt auf den Weg zurück nach Auckland machten um gegen Abend den Flug zurück nach Wellington zu fliegen.

 

In der darauf folgenden Woche war ausser Schule und Arbeit nicht viel los. Mit den Kindern lief es immer besser, wir hatten zwar einge Angewöhnungszeit gebraucht, aber nun hatten wir eine echt gute Zeit zusammen.

Am Samstagabend stand ein weiteres Rugbygame an. Die berühmten All Blacks gegen Frankreich. Zusammen mit Grant und Bob ging ich das Spiel im Wellingon Stadium anschauen und die Atmosphäre war super!

Abgesehen davon war das ganze Wochenende dem Sport gewidmed, denn am Sonntagnachmittag gingen wir mit der ganzen Familie ein Netball Game schauen.

Am zweitletzten Wochenende im Juni besuchte ich die Weta Caves in Miramar. Diese Studios sind unter anderem für die Specialeffects, Waffen, Kostüme und Masken der Herr der Ringe und Hobbit Filme verantwortlich sind. Das Museum mit anschliessendem Shop ist nicht mega gross, jedoch werden die Besucher von drei riesigen Bergtrollen begrüsst und drinnen wartet ein lebensgrosser Ork auf einen.

 

Am nächsten Tag, dem Sonntag, machte ich mich mit einigen Freunden, für einmal nicht Lena und Sandra, auf den Weg nach Castle Point and der Ostküste.

Dort besichtigten wir den berühmten Leuchtturm und hatten, weil wir die einzigen dort waren, ein Photoshooting vor Ort.

 

Die darauffolgende Woche war aus zwei Gründen speziell. Erstens, weil ich am Montagmittag extrem spontan Javier treffen konnte und zweitens, weil es (endlich) meine letzte Schulwoche war.

Am Sonntagabend bekam ich plötzlich eine Nachricht von Javier, er würde am nächsten Morgen um 8.00 in Wellington landen und um 16.00 Uhr wieder zurück nach Nelson fliegen, ob ich Zeit hätte ihn zu treffen. Da ich ihn seit März, als wir gemeinsam nach Wellington gereist sind, nicht mehr gesehen hatte, war ich natürlich mehr als glücklich meine letzte Schulstunde für ihn und ein gemeinsames Mittagessen sausen zu lassen. Schliesslich würden wir ja Englisch miteinander reden und das war evt. sogar mehr als man vom Unterricht behaupten konnte.

Alles in allem war meine letzte Woche sehr unspektakulär. Das Interessanteste was man darüber sagen kann, ist, dass ich überhaupt nicht traurif war zu gehen. Vier Monate zuvor, als ich COLC verlassen musste, fiel mir der Abschied richtig schwer, doch nun fühlte ich überhaupt nichts. Auch an dieser Schule war es Tradition, dass die Schüler eine Rede hielten bevor sie gingen. Diese beendete ich kurz und knackig nach nicht mal einer Minute, was verglichen zu der sieben minütigen Rede, die ich in Whitianga hatte, fast schon eine Beleidigung war. Eine schöne Überraschung erwartete mich dann aber Zuhause, da meine Hostmum mir zur Feier des Tages mit einem riesigen Blumenstrauss aufwartete.

Das kommende Wochenende war Sandras letztes Wochenende in Neuseeland und da sie nur noch einen grossen Punkt auf der Liste hatte, machten wir uns am Samstag auf den Weg zum Tongariro National Park um Skifahren zu gehen. Ja, ihr habt richtig gelesen. Wie ihr vielleicht wisst, habe ich nie Skifahren gelernt und ausser zwei unbeholfenen Versuchen auf Langlaufskiern (was überhaupt nicht das Selbe ist, wie ich feststellen durfte), hatte ich noch nie auf Skiern gestanden. Dies sollte sich nun ändern. Nachdem wir am Samstag angereist waren, machten wir uns am Sonntag in aller Frühe auf den Weg zum Berg. Lena, würde mich zu meiner ersten Skistunde begleiten, da es auch für sie der erste Versuch sein würde, während Sandra alleine Fahren ging.

Leider war das Wetter diesmal ganz und gar nicht auf unserer Seite. Es regnete und schneite abwechselnd und alles war nach kurzer Zeit pitsch-nass. Dennoch muss ich sagen, dass mir das Skifahren ganz gut gefiel und ich am Abend auf einen erfolgreichen und überraschenderweise sturzfreien Tag zurückblicken konnte. Wenn man das mit meiner ersten und einzigen Snowboard-Erfahrung verglich, ein voller Erfolg, wenn nur die Schuhe nicht so sau unbequem wären…

 

In der darauffolgenden Woche war chillen angesagt. Sandra und ich, hatten beide eine Woche schulfrei und mussten nur am Nachmittag arbeiten, da wir auch beide in der gleichen Area wohnten, verbrachten wir praktisch die ganze Zeit bei jemandem von uns beiden Zuhause, schauten Serien, backten Pancakes und Waffeln und genossen das Nichtstun. Ganz untätig waren wir jedoch nicht, auch wenn wir uns, um ehrlich zu sein, nur aus dem Haus bewegten, um auswärts zu essen:

Am Dienstag waren wir bei Jenny eingeladen, einer Chinesin aus unserer Klasse, die uns auf einen typischen chinesischen Hot Pot eingeladen hatte. Dies ist eine Art Fondue Chinoise nur mit etwas speziellen Beilagen. Nebst Rindfleisch gab es da auch Seaweed, Fischkugeln, eine Art Glasnudeln und jede Menge Tofu in diversesten Formen zur Auswahl. Wir assen uns tapfer durch alle Dinge, die uns aufgetischt wurden und versuchten uns nicht anmerken zu lassen, wie scharf die Suppe für uns war. Für Sandra war das Ganze noch eine spezielle Herausforderung, sie ist nämlich Vegetarierin.

Das war aber noch nicht das einzige kulinarische Erlebnis. Am Mittwoch trafen wir uns dann mit Lena zum Frühstück, und am Freitagmittag mit unseren zwei Freunden aus Thailand zum Lunch. Freitagabend jedoch übertrafen wir uns selber, es war Sandras letzter Abend und wir wollten noch einmal all unsere Lieblingsdinge essen gehen. Alles begann mit Pizza in der Pizzeria Napoli, das anschliessende Dessert waren Waffeln vom Waffelstand, und gescheiterweise hätten wir dann aufgehört. Trotzdem entschieden wir uns noch auf ein Frozen Yoghurt zu gehen, und weil uns nach all dem Süssen wieder nach Salzig war, gabs dann im Anschluss noch Pommes bei Mamma Brown. Man war uns allen schlecht danach. Naja, man muss halt auch so seine Erfahrungen machen… ^^

Am Samstag kam dann der schwere Abschied von Sandra, die sich hier in Wellington zu meiner besten Freundin entwickelt hatte. Selbstverständlich brachte ich sie noch zum Flughafen, und wir versprachen uns hoch und heilig, uns sobald wie möglich, in der Schweiz, in Österreich oder in London (wo sie ab September studieren wird) wiederzusehen.

 

Nun, brach meine letzten vier Wochen in Wellington an, und die sind im Grunde genommen schnell erzählt. Die ersten zwei davon waren Schulferien bei den Kids. Die erste Woche waren sie Zuhause und auch Janes Mutter wohnte für die Woche bei uns. Deshalb hatte ich mehr oder weniger frei, und war nur weiterhin fürs Abendessen zuständig. In der zweiten Ferienwoche dann, war meine Hostfamilie auf Fiji in den Ferien, wodurch ich das Haus für mich hatte und mich mal wieder mit Nichtstun beschäftigte. Das stimmt zwar so nicht ganz, ich hatte einige Freunde aus Whitianga zu besuch und arbeitete viel an meinen Abschiedsgeschenken für die Familie, sodass die Zeit wie im Flug verging.

Nach den Ferien, standen nur noch zwei normale Wochen an und ich begann langsam all meine Sachen zu packen, die Geschenke fertigzustellen und mich an den Gedanken zu gewöhnen, bald zu gehen. Dies viel mir um einiges leichter, als ich gedacht hätte, zumal ich es irgendwie nicht wirklich begriff, es fühlte sich viel mehr an, als würde ich in die Ferien fahren und danach zurückkehren.

An meinem letzten Wochenende war am Samstag die Mondfinsternis, die bei uns gerade vor Sonnenaufgang stattfand, Jane und ich beschlossen daher auf den Mt. Kaukau raufzulaufen, um beides zu sehen. Leider, war es schon ein bisschen sehr hell und etwas zu wolkig, sodass wir den Mond fast gar nicht mehr sahen, dafür einen umso schöneren Sonnenaufgang.

Besonders süss fand ich jedoch meine ältere Hosttochter, in meiner letzten Woche kam sie des öfteren zu mir, und umarmte mich grundlos und sagte mir, dass ich nicht gehen dürfe und auch der Grant (Hostvater) betonte mehrmals, dass es sehr komisch sein würde, wenn ich weg sei. Der Abschied kam schnell, am Freitagabend gingen wir mit der ganzen Familie Abendessen und anschliessend tauschten wir unsere Geschenke aus. Wir freuten uns alle riesig über unsere gegenseitigen Geschenke und ich mich ganz besonders über die selbstgemachte Pavlova von meiner Hostmum – hatte ich doch in der Woche zuvor erwähnt, dass ich noch nie eine selbstgemachte Pavlova hatte – und sie überraschte mich an meinem letzten Abend dann damit.

 

Am Samstagmorgen (4. August) war es für mich dann Zeit, mich von meiner Hostfamilie zu verabschieden. Dabei fiel es mir gar nicht so schwer, denn erstens hiess das, dass ich einmal mehr nach Whitianga zurückkehren konnte und zweitens, dass endlich meine Reisezeit und mein Trip nach Australien begann.

 

Ich hatte beschlossen, dieses Mal nicht in einem Tag nach Whitianga zu fahren, denn neun Stunden sind einfach viel zu viel. Stattdessen ging ich auf ein Angebot einer Ex-Lehrerin aus Whitianga ein, die mittlerweile in Taupo lebt und übernachtete eine Nacht bei ihnen. Am Sonntag brachte ich dann die zweite Hälfte der Reise hinter mich.

In Whitianga angekommen, musste ich als erstes einen Halt am Strand machen und mir die Meeresluft um die Nase wehen lassen. Dann fuhr ich zurück zu meiner alten Hostfamilie, da auch sie angeboten haben, dass ich für die zwei Nächte bei ihnen übernachten könne. Begrüsst wurde ich nur von Zoé, der Katze, da Joan und Ron bis spät in die Nacht hinein an einem Event im Nachbarsdorf waren. Dies kam aber auch mir zu Gute, da ich so die Gelegenheit hatte, mit einigen Freunden Abendessen zu gehen.

Am Montagmorgen, machte ich mich dann pünktlich um 9 Uhr auf den Weg zur Schule um die neuen Schüler zu begrüssen und wurde selber wieder mit offenen Armen empfangen. Den restlichen Tag verbrachte ich dann mit Gabriel und Bernice in Bernices Haus und wir hatten einen super Tag zusammen. Danach fuhr ich nach Hause um für meinen Australien Trip zu packen und den Abend mit meiner Ex-Hostfamilie zu verbringen. Joan und Ron waren beide überglücklich mich wiederzusehen, Joan umarmte mich mindestens dreimal und wollte mich gar nicht mehr loslassen, und Ron, der normalerweise gar nicht viele Emotionen zeigt, strahlte über das ganze Gesicht.

 

Ja… jetzt sind wir endlich wieder in der Gegenwart angekommen. Wie ich diese Zeilen schreibe, sitze ich gerade in meinem alten Zimmer in Whitianga und fühle mich, als wäre ich nie weggewesen.

Morgen um 12.30 Uhr nehme ich den Bus nach Auckland und am Mittwochmorgen um 8.00 Uhr geht mein Flug nach Sydney. Mein Rucksack ist gepackt – eine Meisterleistung, wenn man bedenkt, dass ich für zwei Monate nicht mehr als 15kg dabeihaben kann – und alles ist bereit.

Meine einzige Angst ist jetzt, dass ich aus irgendeinem Grund verschlafe und es nicht rechtzeitig zum Flughafen schaffe. Deshalb werde ich mir bestimmt um die 5 Wecker stellen. Wünscht mir Glück.

Liebe Grüsse an all meine fleissigen Leser, und bis bald.

 

P.S.: Ich werde aus Platz- und Gewichtsgründen, meinen Laptop nicht mit nach Australien nehmen, und bin daher noch nicht sicher, ob ich dazu kommen werde etwas zu schreiben, während ich da bin. Ich wünsche euch aber allen eine gute Zeit!

New Plymouth

Am Wochenende darauf hatten Sandra und ich wieder grosse Pläne. Wir fuhren nämlich für ein Wochenende nach New Plymouth. Am Freitagabend, machten wir uns nach der Arbeit auf den Weg und fuhren mit nur einem Stop fürs Abendessen die vierstündige Strecke bis nach New Plymouth. Da es dann doch schon reichlich spät war, gingen wir direkt ins Bett. Am nächsten Morgen hatten wir eigentlich eine Wanderung am Mt. Taranaki (der manchmal auch Mt. Egmond genannt wird) geplant. Leider ist der Berg nicht nur für seine Schönheit berühmt, aber auch für die Tatsache, dass er oft überhaupt nicht zu sehen ist. Und so war es auch bei uns. Obwohl es eigentlich ein ganz schöner Tag war, war der Berg in dicken Nebel gehüllt und tiefliegende Wolken hatten sich um die Spitze gesammelt. Zwar wollten wir wirklich gerne wandern gehen, doch mit dem Ausblick auf eine 6 stündige Wanderung im Nebel und potenziellen Regengüssen, mit 0,00 Aussicht am Berg, verging uns die Lust darauf recht schnell wieder. Stattdessen wandten wir uns vom Berg ab und fuhren in die entgegengesetzte Richtung, in dem verzweifelten Versuch den Wolken davonzufahren. Dies gelang uns ein Stück weit auch, sodass der restliche Tag recht gutes Wetter war.

Da unser erster Plan so kläglich gescheitert war, wollten wir die berühmten Elephant Rocks ca. 1 Stunde nördlich von New Plymouth ansehen gehen. Wie wir nach etwas Recherche herausfanden, war ein Teil der Felsen, zwar vor kurzem eingestürzt und der Elefant sähe nun ein bisschen aus, wie auf den Rüssel gefallen, doch das schreckte uns nicht ab, und wir wollten den Elefanten trotzdem unbedingt sehen. Was wir bei unseren Recherchen leider nicht herausfanden (shame on us) war, dass man nur bei Ebbe zu den Elephant Rocks hinkonnte und wie es das Glück so wollte, war gerade Flut, als wir beim Parkplatz in der Nähe der Rocks ankamen… Ebbe würde erst am Abend wieder eintreten und von unserem Standort aus, konnte man die Rocks einfach partout nicht sehen. Etwas traurig fuhren wir weiter. Doch plötzlich ruft Sandra vom Beifahrersitz „Ich sehe den Elefanten!“, und tatsächlich. Es war zwar nicht DER Elefant, aber der Felsen, den wir von der Strasse aus sehen konnten, sah mit ein bisschen Fantasie trotzdem aus wie ein Elefant.

Auf einer kleinen Wanderung versuchten wir doch noch einen Blick auf den „richtigen“ Elefanten zu erhaschen, dies jedoch vergeblich, da der hinter einer weiteren Klippe versteckt war. Auf unserer Wanderung entdeckten wir in weiter Ferne jedoch etwas anderes. Ein mit Schnee bedeckter Berg strahlte uns entgegen. Jetzt gegen Abend hatte sich Mt. Taranaki doch noch entschlossen sich zu zeigen. Also schnell ins Auto und zurück nach New Plymouth. Der Anblick des Berges war herrlich! Zwar hatte es immer noch einige Wolken um den Gipfel, aber mit der Abendsonne und dem leichten Dunst um den Fuss des Berges sah das Ganze wunderschön aus! Um unsere Wanderung noch zu machen, war es natürlich schon viel zu spät, trotzdem versuchten wir noch so nahe wie möglich an Mt. Taranaki heranzufahren. Zu guter Letzt fanden wir uns beim einzigen und extrem kleinen Skiresort des Berges wieder und hatten nicht nur eine tolle Aussicht, sondern auch ein bisschen Schnee und viel kalten Wind um die Nase.

 

Am nächsten Tag machten wir nicht mehr viel. Wir hatten New Plymouth am Vorabend schon erkundet und einstimmig beschlossen, dass dies nicht die interessanteste Stadt in Neuseeland ist und jetzt wussten wir eigentlich nicht mehr so recht, was machen. Wir unternahmen noch einen kurzen Walk auf den Paritutu Rock. Einem extrem steilen Felsen direkt am Meer, von dem aus wir die Sugar Loaf Islands sehen konnten. Kleine Felsen, die aus dem Wasser ragen und direkt hinter dem grossen Paritutu Rock sind.

Anschliessend beschlossen wir uns auf den Weg Richtung Wellington zu machen, um ein bisschen etwas anderes zu sehen, nahmen wir jedoch den weiteren Weg aussen der Küste entlang. Diese Strecke ist zwar recht schön anzusehen, aber ausser Kühen und Schafen gibt es da nicht viel.

Unseren nächsten grösseren Stop legten wir in Hawera ein. Eine Lehrerin von uns hatte uns nämlich empfohlen, dass wir ein ganz spezielles Privatmuseum in Hawera besuchen gehen sollten. KD, so heisst der Inhaber, ist schon seit gut 60 Jahren ein leidenschaftlicher Elvis Fan. In seiner ehemaligen Garage hat er dann irgendwann angefangen all seine Elvis Gegenstände zu sammeln. Da er das Muesum nur auf Anfrage aufmacht, schickten wir ihm 2 Stunden vor unserer Ankunft ein SMS um zu fragen, ob er Zeit hätte uns das Museum zu zeigen und er war mehr als glücklich darüber. Von Platten, über Zeitungsartikel, kleine Elvis-Figuren bis hin zu Schlüsselanhänger und Kühlschrankmagneten ist alles vorhanden. Ich weiss nicht wie viele Gegenstände er hat, aber ich bin fast sicher, dass es nichts gibt, dass er noch nicht hat. Doch auf die Frage hin, welches sein Lieblingsstück ist, antwortet er ganz klar – ein Geschenk von einem Mann aus den USA – eine original signierte Elvis-Platte.
KD selber ist ein Phänomen für sich. Die weissen Haare sind gekonnt zur Elvis Locke geformt. Allerdings lässt er uns auch wissen, dass alle Leute ihn immer fragen würden, wieso er sie nicht schwarz färbe. „Ich bin ja schliesslich nicht Elvis, oder?“, sagt er lachend. Auch sonst scheint er ein ganz normaler Mann zu sein, und er freut sich enorm, dass zwei so junge Leute wie wir, die dann erst noch aus Österreich und der Schweiz kommen, sich für das Museum interessieren. So kam uns natürlich auch die spezielle Ehre zu in sein Gästebuch zu schreiben, und da wir aus dem Ausland kommen, unterstreicht er unsere Namen, wie alle deren, die von weit weg kommen mit einem roten Filzstift. Zwar war ich am Anfang etwas schüchtern, und wusste nicht, wie man sich an so einem Ort verhalten soll, aber KD ist eine super Person und wirkt weder überheblich noch einschüchternd. Deshalb war der Besuch im Elvis-Museum ein voller Erfolg.

Von Hawera aus machten wir keine grösseren Zwischenstops mehr, sondern fuhren direkt zurück nach Wellington, das Wochenende war trotz halb verpasstem Berg mega toll.

 

Wieder in Wellington

In meinen Ferien hatte ich mir eines vorgenommen: Ich würde mich nicht mehr selber ausgrenzen. Vor meinen Ferien, hatte ich bewusst Abstand gehalten, mich durch ausschliessliches Englisch Sprechen selbst ausgeschlossen und mich geweigert neue Freunde zu finden. Damit sollte jetzt Schluss sein, auch wenn das bedeutete, dass ich anfangen musste Deutsch zu sprechen.

Am Samstag darauf ging ich mit meinem Hostdad zu meinem ersten live Rugby Spiel. Das local Team (the Hurricanes) gegen eine Mannschaft aus Südafrika. Da ich die Regeln von Rugby nicht wirklich verstehe, war es relativ schwierig, dem Spiel zu folgen, auch wenn Grant und Bob (Grants Vater) fleissig versuchten mir die Regeln zu erklären.

Am Sonntag ging ich mit drei Freundinnen in den Wellington Zoo. Anschliessend traf ich mich mit Kim und Robyn (Besitzer von COLC) zum Lunch. Die beiden waren in der Stadt um Freunde zu besuchen und schrieben mir, um auch mich zu treffen.

In der Woche darauf gingen wir mit der Schule (ich hatte inzwischen in den IELTS Preperation Course gewechselt) ins Schokoladen Museum und anschliessend ins Kunstmuseum, wo wir auf einen wunderschön geschnitzen Flügel spielen durften.

Am Samstagabend ging ich mit Eliane und Sandra Bowlen, anschliessend verpflegten wir uns am Night Market und schliesslich gingen wir ins Kino. Am Sonntag war Muttertag. Mit den Kids hatte ich ein Bild gebastelt, mit vielen Fotos der Kinder, an dem die Mutter sehr viel Freude hatte. Da das Wetter schlecht war, blieb die Familie grösstenteils zu Hause, während ich mit Eliane und Sandra ins Café Maranui in Lyall Bay ging um die besten Pancakes in Wellington zu essen. Mampf!

Am Wochenende darauf ging ich mit Kate, Grant, Jane und Chloe um Kates Netball Spiel zu schauen. Am Samstagabend gingen Eliane, Sandra und ich zum LUX Light Festival an der Waterfront. Überall entlang der Promenade in Wellington, waren verschiedenste Skulpturen und kleine Spiele aufgestellt worden. Ein leuchtende Qualle, ein Rochen im Hafenbecken, glühende Pilze und so weiter und so fort. Nachdem wir eine Weile herumgelaufen waren, überkam uns der Hunger und wir beschlossen Essen zu gehen. Pizza und Pasta in der Pizzeria Napoli. Anschliessend trafen wir uns auf einen Drink mit Pat und Mary und hatten noch einen guten Abend zusammen.

Da Sandra, Eliane und ich am nächsten Tag einen gemütlichen Film Nachmittag geplant hatten, durften die beiden bei mir übernachten. Sie freuten sich besonders über das feine deutsche Brot, das meine Gastfamilie extra gekauft hatte und schon bald nach dem Frühstück begannen wir unseren Film Marathon. Zuerst schauten wir König der Löwen, dann Mary Poppins und zu guter Letzt noch die Schöne und das Biest. Mittagessen bestellten wir via Uber Eats bei einem Inder in der Nähe und gegen Abend gingen die beiden glücklich nach Hause.

Die Woche darauf war Elianes letzte Woche an der Schule. Deshalb nutzten wir den Freitagmorgen um noch einmal um gemeinsam Frühstücken zu gehen. Nach dem Frühstück zog es uns auch noch zu Butlers, weil man dort die besten heissen Schokoladen der Stadt haben kann. Am Samstag war Janes Geburtstag und so gingen wir am Abend in einem japanischen Restaurant Essen und anschliessend alle gemeinsam ans LUX.

Going „home“…

Ganz besonders freute ich mich auf die Herbstferien der Kinder, wenn auch ich eine Woche Ferien hatte, die ich sinnvoll einsetzen wollte. Ich hatte beschlossen, dass es nur einen Ort gibt, an den ich in einer Woche gehen wollte und das ist Whitianga. Am Dienstagmorgen machte ich mich in aller Frühe auf den Weg nach Auckland, das war ein extrem langer Weg von über 8 Stunden Autofahrt, den ich mir mit viel guter Musik und dem einen oder anderen Hörbuch vertrieb. Das Beste am ganzen war die Aussicht, die ich im Tongariro National Park hatte, genauer gesagt auf der Dessert Road, als die Wolken plötzlich aufrissen und den Blick auf schneebedeckte Gipfel freigaben.

 

In Auckland angekommen, traf ich mich wie abgesprochen mit Julien und Annika auf einen Drink. Am nächsten Tag hatten wir einen Ausflug mit zwei weiteren Freunden von Annika geplant, der uns zum Piha Beach und den Kitekite Falls führte.

 

Gegen Donnerstag Mittag holte ich Julien vom Bahnhof in Auckland ab, kurz davor hatte ich noch ein Zusammentreffen mit der Polizei. Ich wollte nämlich gerade fälschlicherweise in eine Strasse abbiegen und wie sich herausstellte, war das Auto hinter mir ein ziviles Polizeiauto. Die zwei Polizisten waren aber sehr freundlich und wollten nur wissen, ob ich mich verfahren hätte und ob sie mir den Weg weisen könnten. Nichtsdestotrotz war ich äusserst froh, als wir Auckland endlich hinter uns liessen, denn mit dieser Stadt kann ich einfach nichts anfangen.

Wir erreichten Whitianga am späteren Abend und bezogen unser Zimmer in der Student Lodge. Anschliessend an ein grosses Hallo mit Irene, Tom, Estrella und Luis, machten wir uns auf den Weg zur Open Night. Ich war ein bisschen nervös, weil ich so halb eine Überraschung für Fa geplant hatte, aber nicht wusste, ob sie gelingen würde. Nunja, ich hätte nicht nervös sein müssen, denn die Überraschung war ein voller Erfolg. Fa flippte so richtig aus, als sie mich sah und erdrückte mich fast mit ihren Umarmungen. Wir hatten eine tolle Open Night, die ganz anders war als die Open Nights die ich bisher gekannt hatte, doch es waren auch nur noch etwa sieben Schüler an der Schule und deshalb war das ganze Feeling anders. Trotzdem fühlte ich mich sofort wieder wie zu Hause und auch mit den Schülern, die ich bisher nicht gekannt hatte, kam ich bestens zurecht. Am Freitagmorgen ging es dann auch nochmals zurück zur Schule, um die Speeches zu sehen und mit den Leuten Zeit zu verbringen. Am Freitagnachmittag dann, begann es zu regnen, es regnete wie aus Kübeln und sollte auch das ganze Wochenende nicht mehr aufhören. Am Freitagabend gingen wir in den Pub um Niels letzten Abend zu feiern und am Samstagmittag assen wir alle zusammen Thailändisch in einem Restaurant. Den Rest der Zeit verbrachten wir wetterbedingt mehr oder weniger drinnen in der Lodge. Am Sonntag nahm Julien den Bus zurück nach Auckland und ich ging zusammen mit Fa und Jiri ins Kino. Dabei überraschte Fa mich ihrerseits, da auch Aimi ins Kino kam, eine Japanerin, die ich immernoch auf Reisen geglaubt hatte. Am Montagmorgen ging ich noch einmal zur Schule, um mich von allen zu verabschieden, bevor ich mich auf die neunstündige Rückfahrt nach Wellington machte. Obwohl ich nicht in Whitianga nicht viel machen konnte, war es die beste Entscheidung zurück zu gehen, denn ich hatte „zu Hause“ schrecklich vermisst.

 

Meine erste Zeit in Wellington

So, nachdem ich es nun endlich geschafft habe, mehrheitlich alles über meine ersten vier Monate in Whitianga zu berichten, möchte ich euch endlich etwas über meine Zeit in Wellington erzählen. Da das alles viel zu viel wäre, um alles in einen Beitrag zu packen, werde ich es so gut es geht aufteilen und mehrere Beiträge hochladen. 🙂

 

Ich verliess Whitianga wie schon gesagt am 4. März und zusammen mit Javi unternahm ich meinen einwöchigen Trip über die Nordinsel, über den ich hier berichtet habe. Ich hatte mit meiner Gastfamilie abgemacht, dass ich so gegen 13.30 am Samstagnachmittag bei ihnen eintreffen würde doch als ich dann in bester Schweizer-Manier auch pünktlich vor ihrer Türe stand, waren sie offenbar doch überrascht, dass ich schon da war. Ich hätte es ja eigentlich wissen müssen, da ich in den letzten vier Monaten schon gemerkt hatte, dass es die Neuseeländer mit Pünktlichkeit nicht so genau nehmen. Trotzdem haben sie sich alle sehr gefreut und auch wenn sich die Kids bei der ersten Begrüssung noch etwas misstrauisch verhielten, so wurde ich doch herzlich empfangen. Zudem lernte ich auch direkt Diane und Colin kennen, Janes Eltern, die aus Gisborne zu Besuch waren.

Nachdem ich mein Gepäck aus dem Auto geladen hatte, und der Familie die selbstgebackenen und weitgereisten Spitzbuebe überreicht hatte, machten Jane und die beiden Mädchen (Kate (10) und Chloe (6)) uns auf zu einem Spaziergang durch die Nachbarschaft, bei der sie mir direkt die Schule und ihre Lieblingsspielplätze zeigten. Anschliessend spielten wir alle zusammen ein Spiel und nach dem Abendessen sass ich noch länger mit den Gasteltern zusammen und wir redeten viel.

Am Sonntag nachdem die Grosseltern zurück nach Gisborne gefahren waren, machten wir einen Spaziergang zum „Schloss“ welches eigentlich gar kein richtiges Schloss, sondern nur ein hoher Betonzylinder war, der wegen seiner Form an ein Schloss erinnert. Von dort aus hat man einen tollen Blick auf die Stadt. Nach einem kurzen Aufenthalt auf dem Spielplatz gingen wir zum Mittagessen in die Stadt und nach einem kleinen Spaziergang an der Waterfront und einem Glacé, gingen wir an eine Ausstellung, die sich „Future Playground“ nannte. Dort konnte man viele neue Technologien ausprobieren, Filme mit VR-Brillen schauen, Lichtspiele beobachten und vieles mehr. Gegen Abend ging es dann wieder zurück nach Hause.

 

Am Montag war nicht nur mein erster Arbeitstag, sondern auch der erste Schultag in der neuen Schule. Zwar freute ich mich darauf eine neue Schule kennenzulernen, aber gleichzeitig hatte ich auch ein bisschen Angst, da ich wusste, dass keine Schule der Welt mit dem COLC mithalten können würde. Dass ich damit vollkommen richtig lag, wurde mir bewusst, sobald ich die Schule betrat. Das Campbell Institute ist eine viel grössere Schule, mit ca. 150 Schülern und schon die Begrüssung am Empfang viel eher unfreundlich aus. Mit mir fingen noch 15 andere Schüler an diesem Montag an, und wir wurden alle in den Aufenthaltsraum geschickt um den Einstiegstest zu absolvieren. Ein Schild wies alle „alten“ Schüler daraufhin, dass der Raum für sie am Montagmorgen gesperrt war, was mir komisch erschien, denn wie sollten wir unsere Klassenkameraden denn kennenlernen? In der 30 minütigen Pause, die wir zwischen Test und Begrüssungsrede hatten, sprach kein einziger der 15 anderen Schüler mein Wort. Meinen Kommunikationsversuch gab ich ziemlich schnell auf, nachdem ich von dem Typen mir gegenüber nur ein mürrisches „Chile“ als Antwort auf die Frage woher er denn käme, bekam. Auch der Rest des Tages verlief etwa ähnlich, sodass ich dann ganz froh war am Mittag nach Hause zu können. Ich setzte meine ganze Hoffnung nun auf den nächsten Tag, wenn ich meine neuen Klassenkameraden, der Higher Advanced Class kennenlernen würde.

Leider wurden auch da meine Hoffnungen ganz und gar nicht erfüllt. Zwar hatte mich Rae, die Demi Pair Koordinatorin schon vorgewarnt, dass es in Advanced viele Deutschsprachige gäbe und dass die auch häufig Deutsch untereinander sprächen, doch was mich erwartete, übertraf dann doch alles. Mein freundliches „Hi, is this the Advanced Class?“ wurde zuerst man vollkommen ignoriert und da ich ja wusste, dass ich in der richtigen Klasse war und nur gefragt hatte, um ein Gespräch anzufangen, setzte ich mich einfach hin. Die vier Mädchen im Raum, allesamt Deutschsprachig ignorierten mich auch weiterhin geflissentlich, während sie –  auf Deutsch – über ihr Wochenende plapperten. Es stellte sich heraus, dass von 15 Leuten in der Klasse genau 3 nicht Deutschsprachig waren und dass Rae mit ihrer Voraussage, dass all die Deutschsprachigen nur Deutsch sprechen würden, genau richtig lag. Egal ob im Unterricht oder in der Pause, egal ob ein Lehrer oder Nicht-Deutschsprachige Personen anwesend waren oder nicht, es wurde nur Deutsch gesprochen. Die drei Leute, die nicht Deutsch sprechen konnte, waren mehrheitlich still, oder zeigten überwältigendes Desinteresse, indem sie Musik hörten – ja auch während des Unterrichts – oder einfach alle ignorierten.

Ich versuchte meine Deutschsprachigen Mitschüler auch so gut es ging zu ignorieren, solange sie Deutsch sprachen und gab ihnen wann immer möglich in Englisch Antwort, aber da das ziemlich mühsam ist und die anderen mich (ein Stück weit natürlich verständlicherweise) für eher komisch hielten, war ich meistens auch still. Mir tat vor allem unser Lehrer Lance leid. Er war vom ersten Tag an extrem motiviert und brachte uns alle regelmässig mit seinen Witzen, Imitationen und Anspielungen auf irgendwelche Serien zum Lachen. Zudem hatte er auch Deutsch im Nebenfach studiert und konnte deshalb recht gut Deutsch, was er des öfteren als Waffe gegen uns einsetze. Trotzdem tat er mir leid, da einfach nie jemand auf ihn zu hören schien und alle immer extrem unmotiviert waren.

Naja, die Tage vergingen und in der Schule als auch auf der Arbeit, ereignete sich nichts spezielles. Die Arbeit in der Hostfamilie, war soweit so gut, die Kinder und ich brauchten relativ lange um uns aneinander zu gewöhnen vor allem, da die Hostmutter nicht Vollzeit arbeitete und deshalb relativ häufig auch zuhause war, was es mir umso schwerer machte an die Kinder heranzukommen. Am Anfang musste ich mir des öfteren anhören „Nein, du kannst mir nicht helfen, Mama muss das machen“, und ähnliche Aussagen anhören, aber mit der Zeit legte sich das auch. Mein Wochenablauf sah ungefähr wie folgt aus:

Am Morgen musste ich jeweils die Lunchboxen für die Kids vorbereiten, den Eltern helfen Frühstück zu machen und die Kinder für die Schule vorzubereiten, wobei ich bei letzterem nie besonders viel machen konnte, da sie mich bis heute nur wenig helfen lassen, wenn es ums Anziehen, Zähneputzen etc. geht. Danach laufen wir gemeinsam zur Schule. Nach meinem Unterricht gehe ich wieder nach Hause und je nach Wochentag begleitete ich die Kids nach der Schule zu ihren Aktivitäten. Meistens eigentlich nur Chloe, da Kate normalerweise selber zu ihren Aktivitäten ging. Mit Chloe hatte ich einmal Schwimmen und an einem anderen Nachmittag Ballet, was eigentlich beides immer problemlos klappte. Danach zurück nach Hause und noch etwas spielen, bis ca. 17.00 Uhr, wenn die beiden an ihr iPad dürfen, und ich mich dem Abendessen widme. Nach dem kochen, bin ich dann eigentlich off work und kann machen was ich will.

Am Anfang war ich jeweils etwas verwirrt, weil ich, nicht wie befreundete Au Pairs, einen strickten Arbeitsplan hatte, sondern mehr einfach meine Aufgaben zu erledigen hatte, wobei es egal war, wann ich das machte. Aber mit der Zeit gewöhnte ich mich auch daran und genoss diese Freiheit. Ein Vorteil hatte es aber, dass Jane des öfteren zu Hause war, am Freitagnachmittag hatte ich so normalerweise frei und konnte in der Stadt bleiben, wenn ich wollte.

Eine Sache, an die ich mich aber stark gewöhnen musste, war die Erziehungsweise „fremder“ Eltern. Hier galten zum Teil ziemlich andere Regeln, als ich es mir von Zuhause gewöhnt war und ich musste mich manchmal daran erinnern, dass ich die gleichen Regeln vertreten musste, wie die Eltern, da es nicht an mir war die Kinder zu erziehen. Trotzdem habe ich kleine Dinge angepasst, zum Beispiel, weigerte ich mich von Anfang an, die Schulrucksäcke der beiden zu tragen, denn ich finde mit 6 und 10 Jahren kann man das definitiv selber. Oder dass sie bei mir ihre Milch halt selber holen mussten, wenn sie eine wollten und so weiter. Ich wusste aber auch, dass die Eltern mich im Grossen und Ganzen immer unterstützten, da sie mir das am Anfang auch so gesagt haben.

 

Die Zeit verging trotz der unbefriedigenden Lage in der Schule schnell und bald kam Ostern, wo ich in das Pfadilager in Neuseeland gehen konnte. Ich hatte in der Schule inzwischen die Klasse von General English zu einer Cambridge Advanced Exam Preperation Class gewechselt, doch hier waren noch mehr deutschsprachige Leute und der Unterricht war auch nicht viel besser. An den Wochenenden machte ich normalerweise nicht so viel, da mir schlichtweg die Motivation fehlte.

Ein Wochenende lang hatte ich Besuch von Julien und Natsuyo, zwei Freunde aus Whitianga, mit denen ich ein tolles Wochenende verbrachte. Zusammen besuchten wir das Zealandia, ein geschütztes Naturreservat, in dem man jede Menge seltener Vögel beobachten konnte.

 

An einem anderen Wochenende, nahm ich an einer Aktivität der Schule teil, in der Hoffnung, ein paar neue Leute kennenzulernen. Gemeinsam gingen wir auf den Eastern Walkway, wo wir eine wunderschöne Aussicht aufs Meer hatten. Tatsächlich lernte ich da viele neue Leute kennen und man glaubt es kaum, für einmal war ich die einzige Deutschsprachige. Das war ein super Tag, doch leider blieben die Bekanntschaften, die ich dort machte, eher eine einmalige Sache.

 

An einem wunderschönen Sonntag, beschloss ich einen Ausflug für mich alleine zu machen. Ich schnappte mir Hector (mein Auto) und machte mich auf den Weg zu Cape Pallisar, dem südlichsten Punkt der Nordinsel, wo es einen schönen rot-weiss gestreiften Leuchtturm gibt. Dort sah ich auch das erste Mal Robben. So süss! Anschliessend ans Cape Pallisar, machte ich eine kurze Wanderung zu den Pinnacles, die einige von euch vielleicht aus den Herr der Ringe Filmen als den Eingang zu den Pfaden der Toten erkennen.

 

4 month in Whitianga

Wieder ist es eine Weile her, dass ich meinen letzten Beitrag gepostet habe. Diesmal aber mit gutem Grund, ich habe an einem Video gearbeitet. Während meiner ganzen Zeit in Whitianga habe ich unzählige Videos gemacht, weil als ich überlegte einen Blogbeitrag darüber zu schreiben, habe ich schnell gemerkt, dass ich das mit Worten nicht richtig beschreiben kann. Es ist mir nicht möglich die richtigen Worte zu finden, die diese Zeit ausreichend beschreiben könnten. Und was eignet sich besser um Gefühle richtig rüberzubringen, als ein Video?

Und nun will ich gar nicht mehr schwafeln… Viel Spass!

Euro Moot 2018 – Scouting in New Zealand

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich hier etwas gepostet habe, und das tut mir meega leid! Es sind noch so einige Blogeinträge offen, aber in meiner Zeit in Whitianga, wollte ich einfach die Zeit, die ich dort hatte geniessen. Inzwischen ist meine Zeit dort zu Ende und ich bin jetzt in Wellington, doch wie das alles kam, wie es mir in Wellington gefällt und wie es jetzt weitergeht, das ist alles eine andere Geschichte.

Heute möchte ich euch über mein Oster-Wochenende berichten, das ich dieses Jahr auf eine ganz spezielle Weise verbringen durfte: in einem Pfadilager. Seit ich die Schweiz verlassen habe, hatte ich nicht viel mit der Pfadi zu tun, doch wie sehr ich das alles wirklich vermisst hatte, wurde mir erst letztes Wochenende bewusst, als ich das Pfadi-feeling wieder zurück hatte. Aber von Anfang an…

Letzten Sommer nahm ich an einem internationalen Pfadilager in Island teil. Das war ein absolut cooles Erlebnis und nebst vielen tollen Aktivitäten, habe ich auch viele Pfadis aus der ganzen Welt kennengelernt. Eine davon war Caitlyn aus Neuseeland. Als ich dann im November in Neuseeland ankam, hat sie mich kontaktiert und gefragt, ob ich nicht an einem neuseeländischen Pfadilager teilnehmen möchte, das über Ostern stattfinden würde. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was ich im April machen würde, so konnte ich leider nicht zusagen. Anfangs März kam ich dann ich Wellington an und mir war ziemlich schnell klar, dass ich übers Osterwochenende nichts vorhaben würde. So habe ich Caitlyn wieder kontaktiert – im Bewusstsein – dass es jetzt zwei Wochen vor dem Lager, wahrscheinlich viel zu spät sein würde, um sich noch fürs Moot anzumelden. Zu meiner Überraschung und Freude jedoch konnte Caitlyn noch alles für mich organisieren, so dass ich zwei Wochen später im Lager mit dabei war.

 

Das Lager fand auf der Südinsel statt in der Nähe von Christchurch. Über Facebook konnte ich Kontakt zu einigen Rovers aufnehmen, die von Wellington zum Lagerplatz fahren würde und so kam es, dass ich mich ihrer Crew (Gruppe von Rovern) anschliessen konnte. Am Sonntag vor dem Lager traf ich die Crew dann zum ersten Mal. Im Lager gab es jeden Abend eine Kostümparty, zu der man sich mit der Crew verkleidete. Das Motto des Lagers war „Euro Moot“ und demensprechend waren auch die Themen für die Kostümpartys gewählt. Am ersten Abend stand alles unter dem Motto „Oktoberfest“, am zweiten Abend hatten wir das Thema „Eurovision Song Contest“ und am dritten Abend „Night in Monaco“. Die Victoria Crew welcher ich mich anschliessen durfte, ist berühmt dafür die Mottos besonders kreativ zu interpretieren. Anstelle von Oktoberfest wählten wir deshalb ein anderes Fest im Oktober und so verkleideten wir uns passend zum Thema Halloween. Anstelle von Eurovision Song Contest, legten wir den Fokus auf „Euro Vision“ und organisierten übergrosse Brillen, auf deren Gläser wir ein Euro Zeichen malten. Und die Vorgaben für Night in Monaco waren klar – bitte kommt in formaler Kleidung – aber als zusätzliche Accessoires organisierten wir Masken und Pistolen, und räuberten das Casino aus.

 

Es war gut, die ganze Crew schon einmal kennenzulernen und auch meine zwei Roadtrip-Gefährten Adam und Steph im Voraus zu treffen, bevor wir uns am Donnerstag zusammen auf eine 8 Stündige Autofahrt begaben.

Am Donnerstagmorgen in aller Frühe, nahmen wir drei gemeinsam die Fähre von Wellington nach Picton. Auf der dreistündigen Überfahrt konnten wir uns alle schon ein bisschen besser kennenlernen und ich war erleichtert, dass wir uns alle gut verstanden.

In Picton bestiegen wir dann das Auto, das dank all unserem Gepäck ziemlich voll war und machten uns auf den Weg nach Süden. Wir folgten der Strasse nach Süden und kamen auf dem Weg nach Kaikoura an einigen eindrücklichen Erdrutschen vorbei, die noch von einem Erdbeben im November 2016 übrig waren. Zwar ist die Strasse inzwischen wieder befahrbar, aber man sieht noch immer genau, wie viel Zerstörung das alles angerichtet hatte.

In Kaikoura machten wir dann einen ersten Stopp, einige Selfies mit „Friend“ dem Maskottchen der Regal Crew, ein Glacé und eine Runde Riesen-Vier-Gewinnt später, ging es weiter. Unterwegs hatten wir selbstgemachte Brownies und viel gute Musik und in Rolleston machten wir auf einem Parkplatz von McDonalds halt, um unser selbstgemachtes Abendessen zu essen.

 

Gegen 8 Uhr kamen wir dann im Mania-O-Roto Scout Park in Ashburton an, wo wir zuerst einmal eincheckten und unsere Zelte bezogen. Danach machten wir uns auf den Weg zur Pfadibar, wo ich jede Menge neuseeländischer und australischer Pfadis kennenlernte.

Am Freitagmorgen in aller Frühe trafen wir uns alle zur Eröffnungszeremonie. Ca. 150 Rover nahmen am Moot teil, mehrheitlich kamen sie aus Neuseeland, aber es waren auch ca. dreissig Australier, ein Engländer und eine Person aus der Schweiz dabei. Nach der Eröffnungsfeier und dem Gruppenfoto ging es dann direkt los mit dem Cross-Country. An diesem drei Kilometer langen Lauf nahm jeder teil und am Ende gab es für den Sieger und die Siegerin eine Trophy (Wanderpreis) zu gewinnen. Dazu muss man wissen, dass sich das ganze Wochenende alles mehr oder weniger um das Gewinnen von Trophys drehte. Die Rovers melden sich in Crews (Gruppen) ans Moot an und in diesen Crews gab es diverse Trophys zu gewinnen.

 

Nach dem Cross-Country Lauf fuhren wir in verschiedenen Gruppen zu einem von mehreren Service Projekten. Ein grosser Teil des neuseeländischen Rover-Alltags ist nämlich das Absolvieren von Community Projekten. Die Idee dahinter ist, dass die Pfadi nicht nur zum Spass da ist, sondern dass sie auch etwas Gutes für die Bevölkerung tut. Ganz abgesehen davon hatten wir beim Service Projekt auch ziemlich viel Spass! In meiner Gruppe haben wir zum Beispiel, einen neuen Gartenweg verlegt, Holz gehackt, einen Zaun aufgestellt und die Fenster und Fassade eines Hauses geputzt. Anschliessend sind wir zum Lagerplatz zurückgefahren und haben dem Team, das dort Hand anlegte beim Verlegen von Platten in einer Kapelle geholfen.

 

Am zweiten Tag gingen wir alle auf einen Tagesausflug. Meine Gruppe hatte die „Tour de France“ gewählt und so fuhren wir nach Akaroa, einer ehemals französischen Siedlung, wo wir eine Kajaktour unternahmen. Anschliessend an ein typisch neuseeländisches Mittagessen – es gab Fish und Chips – spielten wir eine Partie Minigolf, bevor wir am Ende des Tages eine Alpakafarm besuchten. Alpakas sind übrigens nicht nur zum Anschauen super süss, aber auch extrem flauschig und knuddelig zum Anfassen.

 

Schon bald brach der dritte und letzte Tag im Moot an. Zwar waren wir alle schon ziemlich müde, was uns aber nicht davon abhielt beim Tug-o War und der Shooting Trophy noch einmal alles zu geben. Tug-o War ist ein Riesen-Seilziehen, bei dem wir jeweils in vierer Teams gegeneinander angetreten sind. Was mir dabei besonders imponiert hat, ist die Motivation, die alle in die Sache gesteckt haben. Jedes einzelne Team wurde lautstark angefeuert und bejubelt und jeder hat sein absolut Bestes gegeben.

Nach dem Tug-o War kam dann die Shooting Trophy. Bei diesem Postenlauf ging es nicht nur ums Gewinnen, sondern es wurden auch Punkte für Teamfähigkeit, Gruppenzusammenhalt und Strategie vergeben. Dieser Postenlauf dauerte den ganzen restlichen Tag. An einem Posten mussten wir zum Beispiel eine gewisse Strecke überbrücken indem wir die zur Verfügung gestellten Stühle benutzten. Alle Teammitglieder mussten immer auf den Stühlen sein und alle Stühle mussten immer von mindestens einem Teammitglied berührt werden. An einem anderen Posten spielten wir Hockey auf einer Plastikplane mit Wasser und Seife, was nicht nur extrem rutschig, aber auch extrem lustig war. An einem dritten Posten mussten wir uns an den Beinen zusammenbinden und einen Parcours absolvieren, gestartet haben wir mit zwei zusammengebundenen Personen, nach der Runde kam eine dritte, dann eine vierte usw. dazu, bis alle Teammitglieder zusammengebunden waren. Dieser Postenlauf hat mir viel Spass gemacht und wir hatten ein super Team!

Viel zu schnell kam mit dem Montag auch der Tag des Abschieds. Mit der Schlusszeremonie und der diesjährigen Vergabe der Trophys ging das Moot 2018 zu Ende. Das Wochenende war ein voller Erfolg und auch wenn ich zwischendurch mal mit meinem Englisch an die Grenzen gestossen bin – wenn über zehn Personen in einer Gruppe durcheinanderreden, wird’s schwierig – konnte ich viele neue Freundschaften schliessen und hatte eine super Zeit!

Ich habe gelernt, dass die neuseeländische Pfadi in einigen Punkten genau gleich ist, wie die schweizer Pfadi, in vielen Punkten aber auch ganz verschieden. Für mich war es zum Beispiel extrem eindrücklich, wie selbstverständlich die Rovers hier einander halfen. Gut zu sehen war das am Beispiel mit der Kapelle. Dieses Serviceprojekt konnten wir am Freitag nicht beenden, und so entschlossen sich drei Rover am Sonntag nach der Shooting-Trophy noch einmal an der Kapelle zu arbeiten. Es dauerte jedoch keine 5 Minuten und es fanden sich etwa 30 freiwillige Rover, die mithalfen die Kapelle fertigzustellen, ganz ohne dazu aufgefordert gewesen zu sein. Und auch während der Shooting Trophy war Gruppenzusammenhalt gross geschrieben. In meiner Gruppe hatten wir jemanden, der fast taub war und jemanden der nicht rennen konnte. Wir beschlossen daher einstimmig nur zu laufen, und nicht zu rennen und jeder gab sein Bestes unser Hörschwaches Teammitglied in die Diskussionen mit einzubeziehen.

Ich war wirklich sehr beeindruckt von dem grossartigen Teamgeist, den die neuseeländischen und australischen Pfadis an den Tag legten.

 

Ich bin jetzt schon wieder seit einer Woche zu Hause und in meinem Alltag, aber dank dem Moot konnte ich neue Freunde in und um Wellington herum gewinnen und die Victoria Crew hat mich eingeladen, mich ihnen für die Zeit die ich in Wellington verbringe anzuschliessen. Das Moot ist also nicht das letzte Pfadierlebnis gewesen, das ich hier haben werde und ich freue mich auf die nächsten Abenteuer die ich mit ihnen erleben.