Autor: Sabrina

Cambridge – Tag 9 (28.09.2015)

Coiffeur Experiment

Irgendwie meint es das Wetter hier in Cambridge gut mit uns. Schon das vierte Mal ist der Himmel beim Aufstehen blau und die Sonne scheint. Nachdem ich zehn Minuten nach meinem Veloschlüssel gesucht habe und dann merkte, dass ich das Velo am Vortag nicht abgeschlossen habe, fuhr ich los in Richtung Schule. Wir erreichten die Schule nach knapp 15 Minuten und waren deshalb noch viel zu früh dran. Es ist lustig, irgendwie hatte ich mir das links fahren viel schwieriger vorgestellt, doch ich hatte fast keine Probleme mich daran zu gewöhnen.

Der Morgen war zäh. Wie immer am Montag waren wir alles andere als motiviert und da konnte auch Jo’s halbherzige Motivations-Versuche nicht viel daran ändern.

Mittagessen wollten wir in einem italienischen Restaurant in der Nähe, doch das stellte sich als weniger gute Idee heraus. Zwar waren die italienischen Gerichte alle sehr gut, doch da es eben ein Restaurant und kein Take-Away war, dauerte es eine Weile bis das Essen serviert wurde. Danach mussten wir uns sehr beeilen mit essen, damit wir wieder rechtzeitig zum Unterricht zurück waren. Als wir dann zwei Minuten zu spät ins Klassenzimmer zurückkehrten, stand da ein fremder Lehrer, der uns erklärte, dass Gary nicht da war. Die Vorahnung, dass zwei langweilige Lektionen folgen würden, bestätigte sich leider nur allzu bald. Dieser Lehrer hatte eine monotone Stimme und war so langsam, dass wir zeitweise das Gefühl hatten, er sei eingeschlafen. Naja irgendwie brachten wir auch den Nachmittags Unterricht hinter uns und verliessen danach schleunigst die Schule. Hoffen wir mal, dass Gary morgen wieder da ist.

Als erstes brachten wir unsere Velos zurück und spazierten danach zurück in die Stadt, wo Céline und ich einen Coiffeur suchen wollten. Nach langem hin und her, hatten wir uns nämlich entschieden, dass wir es doch versuchen wollten, uns hier in Cambridge die Haare schneiden zu lassen. Es stellte sich als gar nicht so einfach heraus in Cambridge einen Coiffeure zu finden. Zwar hatten wir beide das Gefühl, dass wir letzte Woche schon einige gesehen hatten, doch nun, da wir spezifisch nach einem suchten, blieben sie alle verschwunden.

Schlussendlich fanden wir dann doch noch einen, der anpries, dass bei ihm alles nur 9.90 Pfund kostete. Zwar war ich etwas skeptisch, ob die ihr Handwerk verstünden, doch liess ich mich von Céline überzeugen. Und was soll ich sagen. Ich glaube das war der kürzeste Coiffeur Besuch, den ich je erleben werde. Als wir herein kamen, wurden wir sofort begrüsst und gefragt ob wir waschen und schneiden wollten.

Nach dem waschen, schnipselte eine Coiffeuse ganze 7 Minuten lang an meinen Haaren herum, bevor sie mich mit nassen Haaren entliess und ein Mann an der Kasse 9.90 Pfund kassierte. Kaum war mein Stuhl frei, setze sich auch schon der nächste Student auf meinen Platz. Das nenne ich mal Massenabfertigung. Und das Ergebnis? Naja. Es ist wirklich nicht schlecht geworden, aber viel mehr als Spitzenschneiden, hat die Coiffeuse auch nicht gemacht.

Bei Céline hat das Spitzenschneiden etwas länger gedauert und für 3 Pfund mehr wurden ihr die Haare auch noch geföhnt. Ich bin jedenfalls froh, dass meine Coiffeuse in der Schweiz etwas freundlicher ist und dort nicht ein Student nach dem anderen abgefertigt wird. Ich glaube sonst würde ich mir meine Haare in Zukunft selber schneiden.

Cambridge – Tag 8 (27.09.2015)

Punting

Gestern war es doch ein bisschen später geworden und so freute ich mich schon darauf heute so richtig auszuschlafen. Leider hatte Conall anderes im Sinn…

Um 7.30 Uhr wurde ich von lautem Gebell geweckt. Ich drehte mich jedoch nur auf die andere Seite. Sollte jemand anderer schauen, dass er still würde. Die anderen aus der Familie dachten offenbar dasselbe, denn 5 Minuten später war der Hund immer noch nicht ruhig. Grummelnd kämpfte ich mich aus dem warmen Bett um nach Conall zu sehen. Es stellte sich heraus, dass er dringend nach draussen musste. Ich liess ihn also in den Garten, wo er in aller Ruhe sein Geschäft erledigte, während ich mir die Zehen abfror.

Zurück im Bett war dann natürlich nichts mehr mit weiterschlafen, doch weil wir uns heute erst auf den Nachmittag verabredet hatten, verspürte ich keinerlei Lust schon aufzustehen.

Um 11 Uhr beschlossen Jana und ich schon früher in die Stadt zu fahren. Wir stellten unsere Velos wieder beim King’s College ab und schlenderten zu Fuss durch die Stadt. Zuerst schlenderten wir durch den Strassenmarkt und setzten uns anschliessend in ein Café, wo wir etwas zu Mittag assen. Die nächsten zwei Stunden liefen wir mehr oder weniger planlos durch die Altstadt, hörten einigen Strassenmusikern zu und gingen in ein oder zwei Läden und warteten auf Tabea und Céline.

Wir trafen uns beim King’s College und fragten einen der dort herumlaufenden Studenten, nach dem Punten. Die Studentin verkaufte uns dann die Tickets und erklärte uns den Weg hinunter zur Punting-Anlegestelle der Organisation für die sie arbeitete. Nun fanden wir erstmals heraus, dass es verschiedene „Firmen“ gibt, die das Punting anbieten. Es gibt dabei mindestens drei, die vertrauenswürdig erscheinen, die sich aber zum Teil massiv im Preis unterscheiden. Wir haben für ca. 50 Minuten Fahrt schlussendlich 15 Pfund pro Person gezahlt. Diese haben sich aber echt gelohnt.

Bevor wir aber auf unsere Punting-Fahrt gehen konnten, mussten wir noch auf das Boot warten und so besichtigten wir kurzerhand noch ein weiteres College. Das Newnham College ist ein reines Frauencollege und da uns am Eingang niemand daran hinderte uns ein wenig umzusehen, taten wir das dann auch. Es waren wirklich eindrückliche Gebäude, aber ich kam mir etwas fehl am Platz vor, denn es passt irgendwie überhaupt nicht zu mir. Ich denke nicht, dass ich mich hier wohl fühlen würde.

Als es dann endlich Zeit wurde für unsere Punting-Fahrt, gingen wir zurück zur Anlegestelle und wurden sogleich herzlich begrüsst. In den Punting-Booten haben ca. 12 Personen plus Fahrer Platz. Der Fahrer steht hinten am Boot und stösst das Schiff mit einer langen Stange am Grund des Flusses ab. Unserer Fahrer hiess Robin und seine Eltern kamen ursprünglich aus China. Während der Fahrt erzählte Robin uns viel über die verschiedenen Colleges und ihre Geschichten. Er hatte ein sehr grosses Knowhow und das obwohl er erst morgen mit seinem Studium am St. Catharine’s College beginnt.

Punten ist für die Besucher sehr gemütlich und für die Fahrer wohl sehr anstrengend. Es gibt aber auf dem Fluss so viele Boote, dass man teilweise regelrecht in einen Stau kommt. Punting ist sehr beliebt bei den Touristen und dementsprechend sind auch sehr viele Boote unterwegs. Solange die Fahrer das Punten im Griff haben, ist das auch kein Problem. Schwieriger wird es, wenn die Touristen ein eigenes Boot mieten und sich selber im Punten versuchen. Dass niemand ins Wasser gefallen ist, ist noch ein Wunder, denn ab und zu stiessen zwei Boote mit voller Kraft zusammen und die ungeübten Touristen schwankten bedrohlich hin und her.

Nachdem wir alle wieder trocken an Land waren und uns bei Robin für die Fahrt bedankt hatten, liefen wir zurück zum King’s College und kehrten noch in einem Café ein. Danach fuhren wir mit dem Velo wieder nach Hause und verbrachten den Abend mit unserer Gastfamilie.

Cambridge – Tag 7 (26.09.2015)

University of Cambridge

Heute war Samstag. Ein guter Tag. Ein Tag zum Ausschlafen. Könnte man meinen. Aber weit gefehlt. Als um 7.45 Conall das erste Mal bellte, war ich sofort hellwach. Ganz allgemein bellt Conall sehr gerne, sehr viel und sehr ausgiebig. Wenn jemand ins Haus kommt genauso wie wenn ich die Tür von meinem Badezimmer öffne. Ausserdem noch wenn er Hunger hat oder mal für kleine Hunde muss. Naja auf jeden Fall war ich dann auch sofort vollkommen wach. Obwohl ich eigentlich noch 45 Minuten hätte schlafen können.

Die Zeit bis ich mit den anderen verabredet war, vertrieb ich mir die Zeit mit lesen und frühstückte dann gemütlich mit meiner Gastmutter. John hatte Darcy ins Netball gebracht und war dann mit Leon ins Rugby gefahren und Larry arbeitete am Samstag jeweils, um etwas Geld zu verdienen. Am Abend gingen John und Larry an ein Rugbyspiel auf London und fast alle anderen Familienmitglieder waren an verschiedenen Geburtstagspartys, weshalb es allen gerade Recht war, dass auch wir Mädels auswärts essen wollten.

Um 10.00 Uhr trafen wir uns und fuhren in die Stadt. Weil am Wochenende so schönes Wetter war, hatten wir beschlossen heute Velos zu mieten. Die Sprachschule hatte uns eine Velovermietung empfohlen und dort mieteten wir nun auch unsere Velos. Danach fuhren wir durch einen kleinen Park am Fluss entlang Richtung Stadt. Wir waren froh, dass es hier viele Velowege gibt, denn das Linksfahren in diesem Chaos war uns allen nicht so geheuer. Beim Kings College beschlossen Jana und Tabea kurzfristig, dass sie die Universität doch nicht von innen sehen wollten und so gingen Céline und ich alleine hinein.

Die Universität in Cambridge ist riesig! Sie ist immer noch in den alten Gebäuden von anno 1209 als sie gegründet wurde. Wir haben nur das King’s College besichtigt und das Clare College daneben. Doch die University of Cambridge besteht insgesamt aus 31 Colleges in ganz Cambridge. Céline und ich wollten beide plötzlich ganz dringend in Cambridge studieren, denn es war einfach unbeschreiblich. Natürlich ist uns beiden klar, dass wir keine Chancen haben jemals dort studieren zu können, denn entweder muss man einfach sehr, sehr, sehr schlau sein oder viel Geld haben um da aufgenommen zu werden. Aber man darf ja immerhin noch träumen.

Nach dem Mittagessen trafen wir vier uns wieder. Während Céline und ich noch auf die anderen beiden warteten, sprach uns einer der vielen Studenten rund ums College an und fragte uns ob wir nicht Lust hätten, mit ihm „Punten“ zu gehen. Punting ist eine Bootsfahrt mit einem Guide, der dich mit einem langen Stab den Fluss hinaufbringt, ähnlich wie in Venedig. Überall dort wo es viele Touristen hat, trifft man viele Studenten an, die Punting für ein bisschen Taschengeld anbieten.

Josh (der Student, der uns angesprochen hat) gab sich wirklich Mühe uns zu überzeugen mit ihm auf eine Punting-Tour zu kommen. Er erklärte uns genau, wo wir durchfahren würden und welche Colleges wir sehen würden. Als wir ihm dann sagten, dass wir heute gar nicht Punten wollten, sondern erst Morgen, da strahlte er und meinte, das sei ja überhaupt kein Problem, schliesslich sei er am Sonntag auch wieder da und wir sollten ihn einfach suchen. Um sicherzugehen, dass wir ihn wiederfinden würden, gab er uns auch noch seine Visitenkarte, bevor er davonzog.

Danach fuhren wir zum Botanischen Garten, wo wir leider Eintritt zahlen mussten, da unsere Schule es versäumt hatte uns eine Student-Card zu geben, mit welcher der Eintritt gratis gewesen wäre. Wir schlenderten durch den Garten und genossen die Ruhe und den Frieden. Als uns ein bisschen kalt wurde, gingen wir ins subtropische Gewächshaus um uns aufzuwärmen. Im Botanischen Garten hatte es erstaunlich wenig Leute und angenehm wenige Asiaten. Es ist krass, manchmal habe ich das Gefühl in Asien zu sein, weil ich irgendwie fast nur Asiaten sehe in Cambridge. Ich frage mich wie das am Montag sein wird, wenn das College wieder beginnt, dann hat es sicher noch viel mehr asiatische Studenten hier.

Irgendwann wurden wir des Herumlaufens müde und wir beschlossen nach Hause zu fahren. Nach zwei Stunden Pause, fuhren wir mit dem Bus wieder in die Stadt um beim berühmten Five Guys essen zu gehen. Das ist ein Fast Food Laden, der wohl die besten Burger macht, die ich je auswärts gegessen habe. Zwar mussten wir eine schiere Ewigkeit warten, doch das hat sich gelohnt. Man konnte bei diesen Burgern nicht nur sagen, was man gerne drauf hätte, sondern sie haben die Burger auch gleich frisch gemacht. Genau wie die Pommes auch. Mampf! Lecker!

Nach dem Essen gingen wir Bowlen und anschliessend setzten wir uns noch in eine Bar. Es war recht lustig dort, denn als wir ankamen lief noch das Rugbyspiel im Fernseher und sie haben aktives Publicviewing betrieben. Alle standen unten vor der grossen Leinwand und schauten sich Bier trinkend das Spiel an. Laute Jubelrufe waren zu hören, wenn England einen Punkt erzielt hatte und ärgerlich klingende Laute, wenn Wales einen Punkt gemacht hatte. Am Ende besiegte Wales England zwar, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch.

Cambridge – Tag 6 (25.09.2015)

Weekend!

Als ich am Morgen das Haus verliess, sah es sehr nach Regen aus. Ich war etwas spät dran und musste mich beeilen um noch rechtzeitig auf den Bus zu kommen.

Heute kam der Bus merklich schneller vorwärts und wir kamen noch rechtzeitig um 9.00 Uhr in der Schule an. Da Freitag war, hatten wir am Nachmittag frei und heute darum nur bei Jo Schule. Der Unterricht war ziemlich ereignislos, weshalb ich darauf nicht allzu genau eingehe.

Als wir um 12.30 Uhr die Schule aus hatten, fuhren wir wieder in das Einkaufszenter in dem wir schon am Dienstag gewesen waren. Zuerst assen wir in einem nahen Park etwas zu Mittag und freuten uns über die Sonne, die nun doch noch zu scheinen begonnen hatte.

Danach schlenderten wir durch die Fussgängerzone und genossen unseren freien Nachmittag. Als wir irgendwann nicht mehr herumlaufen mochten, beschlossen wir nach Hause zu fahren und uns später wieder zu treffen um gemeinsam Abendessen zu gehen. Dies stellte sich dann jedoch als schwierig heraus, denn Tabea und Céline konnten sich nicht vorstellen in dem japanischen Restaurant essen zu gehen, in dem Jana und ich gerne gegessen hätten. Schlussendlich assen Jana und ich in diesem Restaurant, während die anderen beiden in einem thailändischen Restaurant, genau neben unserem.

Das Essen war sehr gut und wir hatten schon volle Bäuche, bevor das bestellte Dessert serviert wurde. Und die süssen Reisbällchen mit rote Bohnen Füllung waren so klebrig und süss, dass wir schleunigst noch etwas zu trinken brauchten. Deshalb gingen wir alle gemeinsam noch in eine Baar und genehmigten uns einen Drink.

Übrigens fühle ich mich langsam wirklich von deutschsprachigen Leuten verfolgt. Überall trifft man sie. Im Bus, im Einkaufszenter, unterwegs auf der Strasse und selbst im Restaurant sass neben uns ein Mann, der ein deutsches Buch las.

Anyway. Im Pub war es sehr laut und voll und wir hatten bald genug davon. Da wir ausserdem recht müde waren, beschlossen wir schon um 10.00 Uhr nach Hause zu gehen.

Cambridge – Tag 5 (24.09.2015)

Von Schule, Universitys und Rugby

Als ich erwachte hörte ich draussen das Heulen des Windes und Regentropfen prasselten gegen das Fenster. Wenig begeistert, quälte ich mich aus dem behaglich warmen Bett. Nach dem Frühstück trat ich nach draussen und musste überrascht feststellen, dass das Wetter gar nicht so schlecht war, wie es sich vom Bett aus angehört hatte. Zwar war der Himmel wolkenverhangen, doch immerhin regnete es nicht. Auch war der Bus heute pünktlich und der morgendliche Verkehr hielt sich in Grenzen, sodass wir heute pünktlich bei der Schule ankamen.

Am Morgen übten wir weiter für die First Prüfung. Wir nahmen die Textart „Reviews“ durch. Jo zeigte uns einige Beispiele an Reviews über Cafés und Bars in Cambridge. Mittagessen, gab es in einem nahen chinesischen Takeaway Restaurant, doch der Service war mies, auch wenn die bestellten Frühlingsrollen gut schmeckten. Nachdem wir ca. 40 Minuten auf insgesamt 16 Frühlingsrollen warten mussten, blieben uns nur noch zehn Minuten zum Essen. Dieses Restaurant werden wir künftig sicher nicht in unsere Planung miteinbeziehen.

Am Nachmittag hatte Gary einen neuen Spitznamen für mich: „Witchy“ Ich glaube er zieht mich gerne damit auf! Doch immerhin gab er uns heute keine Hausaufgaben.

Nach der Schule wussten wir nicht so genau, was wir noch machen sollten, bevor wir zum Abendessen nach Hause gehen würden. Schliesslich beschlossen wir in der Stadt in ein Café zu gehen. Schliesslich bestellten wir uns in einem mexikanischen Restaurant Nachos. Danach ging Tabea mit einigen anderen aus unserer Klasse nach Hause, während Jana, Céline und ich noch etwas durch die Stadt liefen. Nicht weit hinter der Market Street stiessen wir auf Teile der Cambridge Universität. Wir hatten jedoch beschlossen, diese am Wochenende genauer ansehen zu gehen, weshalb wir die riesigen Gebäude nur von aussen bewunderten. Nicht weit davon entfernt fanden wir einen Buchladen, der ausschliesslich Bücher für das Studium an der Cambridge University verkaufte. Als wir uns gerade darüber unterhielten, wie das Schulsystem in England funktionierte (naja wir diskutierten eher lautstark), sprach uns ein Mann an, der, wie sich herausstellte, aus Basel war. Wir redeten eine Weile mit ihm, was wir hier tun und wo wir her waren, bevor wir wieder getrennte Wege gingen.

Um 17.00 Uhr nahmen wir den Bus Richtung Cherry Hinton und fuhren nach Hause. Zuhause gab es eine Art Zürigeschnetzeltes, welches in England natürlich nicht so heisst, aber sehr gut schmeckte. Zum Dessert gab es dann noch Schokoladeneis mit „salted caramel“ mampf! John, Larry und Leon schauten einen Rugby-Match New Zealand vs. Namibia. Die drei sind ganz angefressen von Rugby. Leon spielt in insgesamt drei verschiedenen Teams und hat viermal die Woche Training und am Wochenende stehen Spiele an. Larry spielt in der offiziellen Cambridge-Mannschaft, während John selbst Coach eines kleinen Rugby Clubs ist, in dem auch Leon spielt. Selbst Ciara und Darcy haben das Spiel gespannt verfolgt. Man merkt, dass Rugby hier ein Nationalsport ist.

Cambridge – Tag 4 (23.09.2015)

Verspätungen

Als ich heute Morgen nach draussen kam, schien zum ersten Mal seit ich hier war so richtig die Sonne. Der Himmel war blau und es waren keine Wolken zu sehen. Fröhlich lief ich die kurze Strecke bis zum Bus. Ich war noch etwas früh dran, doch das störte mich nicht.

Zusammen mit Tabea und Jana wartete ich auf den Bus, der schliesslich erst mit 5 Minuten Verspätung ankam. Nur allzu bald wussten wir auch wieso. Im Vergleich zum Vortag hatte es noch mehr Verkehr und das Chaos war noch grösser. Der Bus stand sich Meter um Meter weiter Richtung Stadt und nach einer halben Stunde im Bus, in der wir noch nicht einmal die Hälfte der Strecke zurückgelegt hatten, war klar, dass wir nicht rechtzeitig in der Schule sein würden. Schlussendlich erreichten wir die Schule um 9.20 Uhr und waren somit zwanzig Minuten zu spät. Glücklicherweise waren nicht nur alle Schüler sondern auch fast alle Lehrer zu spät, sodass wir noch nicht einmal die Letzten waren.

Um ca. 9.30 Uhr konnten wir dann mit dem Unterricht starten. Der Morgen verlief danach ganz normal und ich denke die meisten in unserer Klasse freuten sich auf Gary. Denn es war zwar immer noch Schule, doch immerhin hatten wir dort viel zu lachen. Heute viel mir etwas Neues auf. Gary tendiert dazu, die letzte Nummer einer Aufgabe zu vergessen. Wenn eine Aufgabe alle Teilaufgaben von a – h hat, dann korrigiert er Teilaufgabe h einfach nicht mehr. Corinne, eine Mitschülerin aus unserer Klasse sagt dann immer: „Gary we haven’t looked at h“ und Gary antwortet: „Ohh… yes you are right, but who is the teacher?“ Ausserdem haben Jérôme und Tabea ihm weiss gemacht, dass sie ein Paar seien und Gary neigt dazu die beiden deswegen aufzuziehen, als Tabea ihm dann aber auch noch mitteilte, dass Céline „manchmal“ ebenfalls mit Jérôme zusammen sei, runzelte er verwirrt die Stirn und schien die Welt nicht mehr zu verstehen. Da alle Personen im Raum (Gary ausgeschlossen) wussten, dass weder Tabea noch Céline mit Jérôme zusammen war, war das Gelächter ab Garys Gesichtsausdruck nur umso lauter.

Als die Schule um 15.00 Uhr zu Ende war, fuhren wir mit dem Bus bis zu einem anderen Einkaufszenter in der Stadtmitte. Doch das stellte sich als sehr teures Shoppingzenter heraus und so schauten wir uns nur ein bisschen um und fuhren anschliessend nach Hause.

Wir hatten ausserdem beschlossen heute nicht mehr wegzugehen, denn niemand hatte richtig Lust dazu und wir waren alle recht müde, weshalb wir den Abend mit der Gastfamilie verbrachten.

Cambridge – Tag 3 (22.09.2015)

Die Sache mit den Bussen

Auch heute Morgen sah es stark nach Regen aus, als ich mich auf den Weg zur Schule machte. Deshalb beschloss ich kurzerhand die Regenjacke mitzunehmen. Vergeblich wie sich im Lauf des Tages zeigen sollte.

Heute fuhr ich das erste Mal mit dem Bus zur Schule und ich kann nur sagen, es ist keines Falls besser als mit dem Auto. Im Gegenteil. Die meisten Busse in Cambridge sind Doppelstöcker und da die Strassen in dieser Stadt alle recht eng sind, sieht es schon gefährlich aus, wenn von beiden Seiten gleichzeitig ein Bus kommt. Als sei das noch nicht genug, haben die Engländer (oder zumindest die Leute in Cambridge) keine Ahnung wie man anständig Auto fährt. So kommt es vor, dass auf einem Kreisverkehr mit drei Spuren und Lichtsignalen nicht nur die Autos, sondern auch Busse, Velofahrer und Taxis kreuz und quer durcheinander stehen. Oder, dass ein Bus einen an einer Haltestelle stehenden anderen Bus überholt und währenddessen selbst von einem dritten Bus überholt wird. Ich denke dies macht deutlich, wie chaotisch der Verkehr in Cambridge ist. Dies ist auch der Grund, wieso wir uns nach einigem hin und her dagegen entschieden haben Velos zu mieten. Denn wenn man sich die seltsamen Verkehrsregeln in Cambridge nicht gewohnt ist, hat man wohl keine Chance irgendwann ans Ziel zu kommen.

Nach schlappen 50 Minuten Fahrt erreichten wir schliesslich die Schule und schafften es gerade noch rechtzeitig in unsere Klassen. Der Morgen verlief mehr oder weniger ereignislos. Jo gab sich Mühe den Unterricht abwechslungsreich zu gestalten, doch nach einer Weile wurde Past Perfect und Past Continious eben doch langweilig.

Das Mittagessen nahmen wir in der Schulkantine ein, was sich als schlechte Idee herausstellte. Der Lammburger, den ich bestellte, bestand aus zwei unaufgebackenen Brothälften und einem Stück Lammfleisch. Dazu gab es „Pommes“ die mehr wie Kartoffelschnitze aussahen und sehr trocken waren. Bald verliessen wir die Kantine wieder und vertrieben uns die Zeit bis zum Nachmittagsunterricht draussen.

Am Nachmittag hatten wir wieder Gary und erneut war es sehr lustig mit ihm. Gary sagt uns immer: „If you speak German, I’m gonna to punish you! You have to dance to original Swiss-Music!“ Wirklich tanzen musste noch nie jemand, doch lustig ist es trotzdem. Ausserdem fragt er uns immer, was wir am Vortag nach der Schule gemacht hätten und was wir ihm gekauft haben und jedes Mal wenn die Antwort „Nichts“ ist, ist er ausserordentlich enttäuscht. Ich glaube irgendwann muss ich ihm etwas mitbringen.

Nach der Schule fuhren wir ins Grafton Shopping Center und machten den Primarkt unsicher. Leider hatten wir nicht so viel Zeit, denn wir mussten alle zum Abendessen zu Hause sein, doch wir beschlossen am Freitag zurückzukehren und das Shopping Center und die angrenzende Fussgängerzone auszukundschaften.

Irgendwann am Nachmittag war die Wolkendecke aufgerissen und die Sonne war hervorgekommen, so konnten wir auf dem Nachhauseweg die Sonne geniessen. Nicht weit von unserer Schule befindet sich ein Leisure Center, in welchem es auch ein Kino gibt. Spontan beschlossen wir, nach dem Abendessen den Film Maze Runner 2 schauen zu gehen.

Als ich nach Hause kam, war erst Darcy zu Hause. Ich sagte ihr, dass ich später noch einmal weg wollte und sie sagte, dass wir uns dann eine Pizza machen könnten, da der Rest der Familie erst später nach Hause käme. Nachdem die Pizza im Ofen war, kam dann doch noch Leon nach Hause und so teilten wir uns die Pizza zu dritt. Kurz nachdem wir fertig waren mit Essen, kam Ciara nach Hause und hatte ein furchtbar schlechtes Gewissen, dass ich nur so wenig Pizza erhalten habe. Sofort begann sie für mich zu kochen, obwohl ich ihr mehrmals versicherte, dass das nicht nötig sei.

Während sie dann doch noch Ravioli gekocht hat, haben wir uns lange über alles Mögliche unterhalten. Sie erzählte mir von anderen Gastleuten, die sie schon gehabt haben und von ihren Erfahrungen. Dann fragte sie mich, ob ich heute noch weggehen würde und ich erzählte ihr von unserem Kinoplan. Nach dem Essen schickte sie mich aus der Küche und rief stattdessen Leon und Darcy zu sich. Kurze Zeit später sollte ich wieder in die Küche kommen und da stand auf dem Tisch ein Kuchen mit Kerzchen und die drei haben für mich gesungen.

Ich fand das total süss von ihnen, dass sie meinen Geburtstag vom Sonntag nachfeiern wollten und so hatten wir auch noch ein feines Dessert. Nun war es an mir ein schlechtes Gewissen zu haben, denn kurz nachdem Larry und John heimgekommen waren, musste ich auch schon wieder gehen, damit ich den Bus nicht verpasste.

Der Film war sehr spannend, doch auch ein bisschen unheimlich, denn es kamen darin eine Art Zombies vor, die uns allen nicht so geheuer war. Da wir von der Bushaltestelle aus alle in verschiedene Richtungen laufen mussten, waren wir alle froh, als wir wieder zu Hause waren.