Jahr: 2015

Irland – Samstag 18.7.2015

Warm eingekuschelt wachte ich heute Morgen gegen halb 10 Uhr auf. Die Sonne schien ins Zimmer und für einen kurzen Augenblick wunderte ich mich, wieso ich nicht schon viel früher aufgewacht war, denn normalerweise kann ich nicht gut schlafen, wenn es nicht dunkel ist.

Irgendwann beschloss ich, dass es an der Zeit war aufzustehen und ich ging hinunter. Mami und Papi machten sich gerade bereit ins Dorf zu fahren um noch etwas einzukaufen. Ich ging nach draussen und genoss en paar Sonnenstrahlen. Die letzten für diesen Tag, denn am Himmel zogen schon wieder dunkle Wolken auf. Auf der Weide neben dem Haus sah ich heute erstmals das weisse Pferd, von welchem es in der Hausbeschreibung heisst, es sei ruhig und freue sich sehr über Menschen am Haus. Naja ob das Pferd sich über unsere Anwesenheit freute ist schwierig zu sagen, jedenfalls wirkte es neugierig und ich konnte einige Fotos von ihm machen.

Wieder im Haus versuchte ich meine Haare unter Kontrolle zu bringen. Leider erwies sich die Dusche als Witz, denn die Brause berieselte meinen Kopf so schwach, dass es eine Weile dauerte, bis ich Wasser auf der Haut spürte. Nachdem dieses Problem behoben war, frühstückten wir und machten uns gegen 11 Uhr auf den Weg. Da wir schon etwas spät dran waren, beschlossen wir für heute in der näheren Umgebung zu bleiben.

 

Mit dem Auto fuhren wir zuerst nach Donegal, wo wir in einem Touristenzenter viele Prospekte sammelten, mit Ideen, was man hier noch alles so machen könnte. Anschliessend fuhren wir weiter nach Killybegs, wo wir auf die Küstenstrasse des „Wild Atlantic Ways“ fuhren. Diese Strasse führte mehr oder weniger an der Küste entlang und nach einiger Zeit führte ein Weg tatsächlich hinunter zum Strand. Das liessen wir uns natürlich nicht entgehen, sondern statteten dem Meer einen ersten Besuch ab. Am Strand hatte es auch einige andere Besucher, darunter auch ein paar waagemutige Iren, die sich in Badehose in die Fluten stürzten.

Wir waren von dieser Idee nicht ganz so begeistert und begnügten uns damit, am Strand entlang zu spazieren, Muscheln zu sammeln und Fotos zu schiessen. Nach einer Weile fuhren wir auf der Küstenstrasse weiter Richtung Westen und kamen schliesslich nach Teelin. Von dort aus kann man zu den höchsten Klippen Europas laufen. Den Slieve Leagues. Bevor wir allerdings zu diesen 595 m hohen Klippen liefen, machten wir einen Abstecher in Ti Linns Café Craft Shop. In diesem hübschen Café gab es für die eine Hälfte Kaffee und Kuchen und für die andere nur Kuchen mit etwas anderem zu Trinken.

 

Frisch gestärkt machten wir uns anschliessend an den Aufstieg zu den Klippen. Viele andere Besucher wollten ebenfalls diese beeindruckenden Steilwände sehen, weshalb wir alles andere als alleine waren. Unser Aufstieg wurde ausserdem vom „Mähen“ der zahlreichen Schafen und Ziegen begleitet, die an den grünen Hängen grasten.

Oben angekommen bewunderten wir die eindrucksvollen Klippen und amüsierten uns ein bisschen über die vielen Touristen, die ungeachtet des kalten Windes und des sonnenlosen Tages Glacé assen. Einzig und alleine aus dem einfachen Grund, weil es dort oben Glacé zu kaufen gab.

 

Irgendwann begann es zu regnen und so machten wir uns auf den Rückweg zum Auto. Es war nun etwa 6 Uhr, doch irgendwie hatte noch niemand von uns richtig Lust nach Hause zu fahren. Wir fuhren also noch etwas weiter. Diesmal nach Norden. Doch unterwegs begann es immer stärker zu regnen, weshalb wir das warme Auto nicht mehr verliessen.

Wir fuhren über Land und die einzigen Lebewesen, die wir antrafen waren noch mehr Schafe. Dazu muss man sagen, wer denkt, dass es in Schottland viele Schafe gibt, der hat mit Sicherheit Recht. Doch seit heute weiss ich, dass es auch in Irland viele Schafe gibt und auch in Irland laufen und „mähen“ die Schafe mit Vorliebe auf der Strasse. So verlief unsere Fahrt nach Ardara recht unterhaltsam, denn immer mal wieder blökten uns Schafe an, wenn wir in Schritttempo an ihnen vorbeifuhren.  Merkwürdig sind dabei vor allem die Farben der Schafe. Die Besitzer kennzeichnen ihre Herden mit Farbe. Aber nicht mit kleinen Punkten im Nacken, nein. Meistens ist der gesamte Rücken der Schafe blau, grün oder rot. Solltet ihr jemals in Irland an einem Hang blaue Punkte sehen, so wundert euch nicht, das sind ganz einfach Schafe, die in einen Farbtopf gefallen sind.

 

Nachdem wir in Ardara vergeblich nach einem guten Take Away gesucht hatten, meine Familie wollte heute unbedingt Fish & Chips essen, fuhren wir zurück nach Donegal. Dort gab es im Central Hotel endlich das lang ersehnte Fish & Chips.

Auf dem Nachhauseweg haben wir dann noch etwas herausgefunden. Wie schon erwähnt, sieht man vor fast jedem Haus eine grün-gelbe Flagge. Dies, so wissen wir nun, ist nicht etwa der übereifrige Patriotismus der Iren, sondern eine Fanbekundung. Offenbar findet in nächster Zeit ein wichtiger Match zwischen Donegal und einem anderen Club statt und die Leute in der Umgebung sind offenbar glühende Fans. Das einzige was es jetzt noch herauszufinden gilt, ist, um welche Sportart es sich dabei handelt.

 

Irland – Freitag 17.7.2015

Heute mussten wir früh aufstehen, denn nach langem Warten, Planen und Herbeisehnen ging es endlich nach Irland in die Ferien. Um 5.30 Uhr klingelte der Wecker, denn schon um 6.41 mussten wir auf dem Zug sein. Natürlich gab es, wie immer wenn man in die Ferien geht, kurz vor der Abreise noch etwas Stress. Alle mussten nochmals duschen, das Handgepäck war eben doch noch nicht ganz fertig gepackt, wo ist meine ID?, haben wir das Geld, die Schlüssel, wir müssen uns beeilen, in 10 Minuten müssen wir los.

Zum Glück hatten wir unseren grossen Koffer schon am Vortag eingecheckt, denn mit all der Bagage und den vielen Leuten im Zug hätten wir es sicher nicht mehr rechtzeitig geschafft.

 

Schlussendlich verlief die Reise dann aber problemlos und wir kamen pünktlich am Flughafen an. Da wir auch schon elektronisch von zu Hause aus eingecheckt hatten, konnten wir sogleich durch den Zoll gehen und uns danach im Marché endlich ein Gipfeli gönnen.

Der Flug verlief einigermassen ruhig und nach ca. zwei Stunden in der Luft kamen wir mit einer leichten Verspätung in Dublin an. Nachdem wir dann auch noch unser Mietauto, einen schwarzen Opel Saphira abgeholt hatten, fuhren wir los in Richtung Donegal, wo sich (in etwa) unser erstes Ferienhaus befand.

 

Fahren auf der linken Strassenseite war angesagt und Papi meisterte diese Aufgabe mit Bravur. Wir unterstützten ihn tatkräftig dabei, indem wir beim losfahren immer „links“ riefen. Schliesslich landeten wir auf der N3, die uns irgendwann nach Enniskillen in Nordirland führte. Dort machten wir einen ersten richtigen Stopp und assen in einem Kentucky Fried Chicken ein spätes Mittagessen.

Was mir in Nordirland speziell auffiel, waren die vielen Englandfahnen, die überall herumhingen. So konnte man gar nicht nicht bemerken, dass man sich nun in Nordirland befand und das obwohl es keinen echten Zoll zwischen Irland und Nordirland gibt.

Auch die Iren sind stolz darauf zu Irland zu gehören. Es gibt fast kein Haus vor dem nicht mindestens eine Flagge in den Farben Irlands hängt. Ausserdem ist in Irland immer alles zweimal angeschrieben. Einmal auf Irisch und einmal auf Englisch. Bisher ist das Irische für uns aber ziemlich unverständlich, da man keinen Bezug zu irgendeiner uns bekannten Sprache erkennen kann.

 

Irgendwann erreichten wir die Kreuzung, an der wir laut Wegbeschreibung des Vermieters links abbiegen mussten. Das führte uns auf eine schmale, ungeteerte Strasse, die zu beiden Seiten von hohen Rhododendronbüschen gesäumt war. Das Grünzeug reichte direkt bis an die Strasse und war so dicht, dass man nicht hindurchschauen konnte. Ca. einen Kilometer ging es in diesen Dschungel hinein. Unterwegs kam man an einer Ruine vorbei. Ein altes Steinhaus, das so  von Efeu und anderen Pflanzen eingewachsen war, dass man die Mauern fast nicht mehr erkennen konnte.

Endlich kamen wir zu einem Tor mit roten Mauern und kurz darauf konnten wir das rote Haus „Rhododendron Inn“ sehen. Auf die Freude darüber das Haus gefunden zu haben, folgte erstmal die grosse Enttäuschung, denn er Schlüssel, den der Vermieter uns vorgängig zugeschickt hatte, passte nicht ins Schloss.

Nach einigen vergeblichen Versuchen, rief Papi den Vermieter an, der uns die Wegbeschreibung einer gewissen Mary angab, die uns zum Glück den passenden Schlüssel geben konnte.

 

Das Haus war relativ klein, aber gemütlich. Nebst einer offenen Küche, gab es im Erdgeschoss noch ein Schlafzimmer für die Eltern, ein sehr grosses Badezimmer und einen Wohnbereich mit Esstisch und Sofas. Im oberen Stock befand sich das Schlafzimmer für die Kinder, sowie eine kleine Sitzecke.

Das grösste Problem war, dass es im Haus recht kalt war. Deshalb zogen wir uns für den Anfang warm an und drehten die Heizung voll auf. Da es inzwischen recht spät war, fuhren wir gleich noch einmal los, um etwas z essen einzukaufen. Der Eurospar in der Nähe hatte schon geschlossen, weshalb wir ins nahe Donegal fuhren und dort in einem Einkaufszenter unser Abendessen einkauften.

Den Abend verbrachten wir gemütlich in unsere Decken gekuschelt (es war immer noch recht kalt) mit Brownies vor dem Fernseher.

Was ich bisher bei meiner Erzählung völlig vergessen hatte, war das Wetter. Bei unserer Ankunft war es noch relativ freundlich und die Sonne blinzelte zwischen den Wolken hervor. Auf unserer Fahrt regnete es immer mal wieder für kurze Zeit und am Abend, als wir dann endlich richtig angekommen waren, schüttete es draussen wie aus Kübeln, was uns allerdings nicht weiter störte.